Freitag, April 24, 2009

Wie mich Karl Marx in Berlin damisch in den Hintern gezwickt hat

Liebe Mesdames und Messieurs,

es gilt, die Schrift zu erfüllen, i.e. Illustratives aus Berlin nachzureichen.

Dorthin zu gelangen ist seit Anbruch der Zeiten digitaler Navigationssysteme keine gröbere Herausforderung. Sofern das Fahrzeug nicht in Wels startet und man sich nicht von einem analogen, eingeborenen Navi-System leiten lässt. Fast schon musste ich fürchten, nie wieder aus dem komplexen Kreisverkehrsflechtwerk der Messestadt herauszukommen.

Doch keine Schlagzeile wie "Zwei Satiriker in Auto verhungert vor Abfahrt Wels Nord gefunden" musste erscheinen (das wäre auch hoffentlich aufgefallen). So kam ich nach Berlin.
Wie klein doch die Welt ist: Kaum in angelangt, treffe ich gleich einen Bekannten: Herbert Grönemeyer.
Dieses und noch andere schöne Abenteuer geschahen in den folgenden Tagen.

Die Autorin und ein Automobil

Hobby-Punketten im Tacheles


Berlin, Welthauptstadt des Graffiti - konkreter lässt sich menschliches Ringen mit dem Vanitas-Gedanken angesichts der Vergänglichkeit alles Seienden kaum auf den Punkt bzw. auf die Fassade des Neulichtenberger Bürgerversammlungszentrums bringen.

So vergingen die Tage in einem bunten rausch an Lustbarkeiten. Bis ich Opfer der letzten Reste des real existierenden Sozialismus wurde:



Beim tölpelhaften Wiederherabrutschen vom Marx-Denkmal bleibe ich mit meinen jüngst upgesizten Hüften an den groben Fingern des Autors des "Kapitals" hängen und ziehe mir sehr arge blaue Flecken zu, für dich ich mich heute noch verspotten lassen muss. Spontan schwor ich jedwedem linken Gedankengut ab und ließ mich ins KaDeWe führen, um dort gemäß kapitalistischer Raffzahnmentalität die Fressabteilung leerzumachen.

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Dienstag, April 21, 2009

Kommunistische Not in Berlin

Damen und Herren, Genossen und Freundinnen,

da wär' ich wieder, heimgekehrt aus dem Moloch Berlin. Leider vorerst nur gleichsam physisch, sodass euch die beiden untig angefügten Bildnisse reichen müssen. Bald aber soll auch eine Wortformation davon künden, was der Kommunismus alles dieser Stadt, junggebliebenen Herren und meinem Hintern angetan hat.


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Freitag, August 29, 2008

Zugzigeuner, IX: Linz, finally

Nach drei Wochen hilft Duschen auch nichts mehr:



Donnerstag, August 28, 2008

Zugzigeuner, VIII: Paris, die Zweite





Montag, August 25, 2008

Zugzigeuner, VII: Vigo und Barcelona





Sonntag, August 24, 2008

Zugzigeuner, VI: Porto







Falsche Franziskaner in Esmoriz

Mittwoch, August 20, 2008

Zugzigeuner, V: Costa Nova

Für euch entdeckt: Costa Nova, der eigenwilligste Badeort des Atlantik. To be missed.




Dienstag, August 19, 2008

Zugzigeuner, IV: Coimbra und Fatima







Frau T. reagiert auf so viel Heiligkeit mit leichter Verstörung. Da hilft nur eins: den überschüssigen Heiligen Geist wieder austreiben.

Freitag, August 15, 2008

Zugzigeuner, III: Fisch in Peniche





Obidos

Ergötzliche Leckereien: Wracharsch und gegrillte Titenfische


Peniche ist stolze Heimatgemeinde des welteinzigen Klöppeldenkmals


Feldforschung: Zwei eisgekühlte Biere erhöhen den Anplauschfaktor um 313%

Dienstag, August 12, 2008

Zugzigeuner, II: Kabeljau mit Banane in Lissabon













Sonntag, August 10, 2008

Zugzigeuner, I: Paris/Limoges




The cat they call Mouse

Mittwoch, Mai 07, 2008

Nepal statt Neapel



Liebe Leserkätzchen und Spätzchen,

hier der Bericht über meinen Wanderausflug in den Himalaya - in der extended version.


In Turnschuhen am Fuß des Annapurna

Von einer, die auszog, um mit möglichst wenig Budget in Nepal möglichst hoch hinaus zu kommen: Wie weit gelangt man auf dem Trek ins Annapurna-Basislager ohne Proviant, Schlafsack, Bergschuhe - und vor allem Geld?

Schwer wiegen die Beine, schwer drückt der Rucksack. Hinter mir die keucht die Französin Anne, mit der ich mich seit dem Morgengrauen als Tempomacherin abwechsle. Seit wir die 4000-Meter-Grenze überwunden haben, hat sich unser Sturm auf das Annapurna-Massiv verzögert. Auffallend oft machen wir nun Foto-Stopps und Schuhbandkorrekturen.



Atemberaubend ist nicht nur der Aufstieg in dünner Luft: Im Rücken haben wir den wunderschönen Machapucchare. „Fischschwanz“ heißt der Heilige Berg übersetzt, und so sieht er auch aus. Es ist streng verboten, ihn zu besteigen.



Vor uns liegt das Annapurnamassiv. Die klare Luft lässt uns das Basislager lange schon sehen, doch wir scheinen kaum näher zu kommen. Wohl auch, weil mit den Turnschuhen auf Schnee doch nicht so gut marschieren ist.



Bergsteiger mögen an dieser Stelle die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Grund für das unpassende Schuhwerk sind Sparmaßnahmen. Feste Bergschuhe wären einfach zu schwer geworden. Genauso wie ein dicker Schlafsack und Proviant.
Denn so lautete die Aufgabe: Kein Führer, kein Träger, sowenig Gesellschaft als möglich. Aus sportlichem Ehrgeiz, dem Wunsch, alleine zu sein – und aus finanziellen Gründen. Denn schon alleine mit dem Flug in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu ist das Reisebudget erschöpft.

Nur das Nötigste soll für den zweiwöchigen Trek rund um das Annapurnamassiv mit. Trotzdem wiegt der Rucksack mehr als zehn Kilo. Vor dem Aufbruch kommt Sorge auf. Halten die Knie, was die Unfallchirurgen versprechen? Wie sicher ist der Weg? Immer wieder wird vor Raub gewarnt und davon abgeraten, alleine zu wandern, schon gar nicht als Frau. Dazu kommt die politische Lage: Die ersten demokratischen Wahlen stehen kurz bevor. Zehn Jahre lang hatte Bürgerkrieg geherrscht, bis die Maos sich durchsetzen konnten und den König vom Thron jagten. Das Wetter ist die geringste Sorge, doch die Zeichen mehren sich, dass die Regenzeit verfrüht einsetzt. Für die Wanderer sicher weniger problematisch als für die Bauern, die wegen des vielen Regens um die Ernte fürchten müssen.



Das heißt für mich: Früh aufstehen, um dem täglichen Gewitter am späten Nachmittag zu entgehen. Kein Problem, denn unter den alten Decken in den Unterkünften ist es ohnehin kalt. Dann marschieren, bis die ersten Regentropfen fallen. Wenn es regnet, ist ausreichend Zeit zum essen und rasten. Und über den Winter ist ohnehin ausreichend Energie als Hüftspeck angefallen…

Schon bald erweisen sich die Sorgen – bis auf das Wetter – als unbegründet. Nach dem ersten Muskelkater gewöhnen sich die Beine an den Rucksack und das ständige Bergauf und Bergab – oft führt der Pfad hunderte Höhenmeter steil bergauf, nur um jenseits der mühsam erklommenen Kuppe sofort wieder ins Tal hinabzuführen.
Doch das Gehen wird mir immer lieber. Mit jedem Schritt wird der Kopf freier. In der Früh kann ich es oft gar nicht erwarten, loszumarschieren. Ganz langsam am Morgen, im Schweinsgalopp, wenn der Donner grollt.

Immer wieder bleiben entgegenkommende Touristen und Nepalesen auf einen Schwatz stehen. Eine Frau ohne Begleitung mit eigenem Gepäck auf dem Rücken sehen sie offensichtlich selten. „You lonely?“ fragen die Nepalesen oft. „Not lonely, alone“, antworte ich und stapfe weiter.




Es ist einfach, Unterkunft zu finden. Alle zwei, drei Stunden führt der Weg durch ein Dorf, in dem es Verpflegung und Unterkünfte gibt. Viersternehotels darf man nicht erwarten, es empfiehlt sich eine gewisse Robustheit gegen Kälte und die eine oder andere Maus im Zimmer.
Das ersparen sich die meisten Wanderer. Viele sind in Gruppen mit einem großen Team an Trägern unterwegs und übernachten in Zelten. Dafür kommen sie viel langsamer voran.
Das wird bei der unsicheren Wetterlage zum großen Vorteil. Das Annapurna-Basecamp –Ziel des sogenannten ABC-Treks – ist nur bei guten Wetterbedingungen zu erreichen. Hätte ich einen Tag länger gebraucht, hätte ich unverrichteter Dinge umkehren müssen. Die Lawinengefahr war zu groß.
So wäre ich auch nicht Zeugin eines besonders törichten Angebotes geworden: Die reichsten der Reichen lassen sich vom nahe gelegenen Städtchen Pokhara mit dem Helikopter zum Basislager hochfliegen.
Mit den Augen einer mit wunderschönen Alpenpisten verwöhnten Österreicherin geben die Hänge hier nicht viel her. Außerdem stört der Heli im Naturschutzgebiet. Hier geht es offensichtlich um das Prestige. Der Spaß kostet 3800 Euro. Pro Nase. Pro Stunde. Eine Deppensteuer immerhin.

Daulaghiri

Da ich schneller als erwartet war, beginne ich die Umrundung des gesamten Annapurna-Massivs – ein ebenfalls sehr beliebter Trek. Und einer, den es so möglicherweise nicht mehr lange gibt. Jenseits der nahen tibetischen Grenze wartet schon der Straßenanschluss. Noch gibt es nur eine einzige Straße zwischen Nepal und Tibet. Alles andere sind Pfade. Bald aber werden Autos auf Wegen fahren, die bislang den Wanderern vorbehalten waren. Für die Menschen, die hier leben, bedeutet der Anschluss an die Moderne. Bisher musste jeder einzelne Gegenstand auf dem Rücken hoch getragen werden. Die Einnahmen durch die Wanderer aus dem Westen werden ihnen aber fehlen.



In diesem Zusammenhang geriet ich auch ein einziges Mal in eine brenzlige Situation. Ich war an diesem Tag schon länger unterwegs, als meine Beine für gut befanden. Ich war gottserbärmlich hungrig, allmählich wurde es finster, die nächste Siedlung noch irgendwo. Gerade als ich erstmals wirklich an Raub und andere Gefahren denke, springt ein Mann auf die Straße und hält mich auf.
Ich ziehe den Kopf zwischen die Schultern und balle die Fäuste – niemand soll mir in die Quere kommen, wenn mein Magen leer ist! „Stop!“ „Why?!“ Der Mann ringt nach Worten. „Blast!“ Ich verstehe ihn nicht, wohl aber die unmittelbar darauf folgende Sprengstoffexplosion. Ein Glück, dass ich ihn nicht grantig beiseite geschoben und weitergegangen bin… Als ich am Ort der Felssprengung vorbeieile, sehe ich, unter welch inakzeptablen Bedingungen die Arbeiter die Straße nach Tibet frei aus dem Fels hauen – mit Seilen und bloßen Händen zerren sie an den losen, riesigen Brocken. Kein Wunder, dass der Straßenbau jährlich Dutzende Todesopfer fordert.

Einen Tag später komme ich mit etwas Glück ins Städtchen Pokhara zurück. Wegen der Wahlen sind sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel gestoppt, das Internet nur eingeschränkt nutzbar. Das Militär will so Unruhen im Keim ersticken. Eine Sorge, die sich als unbegründet erweist. Die ersten freien Wahlen verlaufen fast ohne Zwischenfälle. In Pokhara geraten sie zur Touristen-Attraktion.



Unbegründet auch alle eigenen Sorgen: Geraubt hat mir niemand etwas, außer vielleicht die Mäuse den Schlaf. Dafür bekam ich eine Menge: Ruhe, Gastfreundschaft, unglaubliche Bilder.


Montag, März 05, 2007

Ironie der Geschichten

Gnä' Leserschaft, die du hier vorbeireist!

Erst vor kurzem ist mir zu Bewusstsein getreten, dass ich den Titel dieser Spezialpublikation - "Schnoddrige Reiseberichterstattung" - ebenjenem Medium verdanke, das vor drei Jahren mein hier versammeltes Reiseberichtssammelsurium als "zu schnoddrig" bezeichnet hat: "So etwas goutieren unsere Leser nicht." Ich war damals sehr gekränkt und gleichsam am Boden zerstört.

Aber, was soll man sagen? Ironie der Geschichte: Der garstige Redakteur ist in Pension gegangen, der seriöse Qualitätsjournalismus hat die Zeichen der Zeit erkannt und das damals so unschnoddrige Medium hält mich, Minkasia "Schnoddy" Ganofsky, nun in Lohn und Brot.

Das wollte ich einmal erzählt haben.

Dienstag, Juni 27, 2006

Looneys in London

Hellohello there!

Hier also bitte die Ereignisbuchhaltung aus London.




Phony in London

Um meine liebe Psychomutti Birgit ein wenig von ihrem Schicksal als alleinerziehender Problembär abzulenken, ließ ich mich von ihr breitschlagen und zu einer Stippvisite mit Arbeitseinsatz für unseren lieben Dave überreden. Ich will mich trotz aller Abenteuer, Fährnisse und Unbill kurz halten, schweige deswegen vom Schock, als uns verboten wurde, im Bus nach Bratislava zu jausnen. Hätte ich nur Slowakisch gekonnt, dann hätte ich dem Fahrer vermitteln können, dass eine Weblogmutti im Unterzucker eine große Gefahrenquelle darstellt - gerade auf Flughäfen und in Flugzeugen muss man da schon ein wenig Vorsicht walten lassen! Immerhin ist aber alles gut ausgegangen und niemand musste sterben.
Auf der folgenden Abbildung kann man gut erkennen, dass Dave vor seinem Haus steht:

Ebendiese Bleibe von Daves altem Gerümpel zu befreien war Motto unserer Reise (neben "One more Mojito, mate!").

Einsatzkommando "Messie"
Habe ich schon erwähnt, dass Daves Besitzstandserweiterungsverhalten den Bedeutungsumfang "Messie" ganz gut ausfüllt?



Darf in keinem britischen Haushalt fehlen: ein Bildnis von Queen "We are not amused" Victoria

W-u-n-d-e-r-b-a-r aber, was sich in der Wunderkammer eines wohlhabenden Messies so alles findet. Top-Fund des Tages: Der Magic8-Ball, Kernstück jeder allwissenden Müllhalde. Auf Anfrage konnte ich Folgendes erfahren: Ich werde heuer noch die Liebe meines Lebens treffen, aber keinen Sex mehr haben. Außerdem bin ich lesbisch, aber da hat sich das Orakel wohl von der Latzhose täuschen lassen.


Der Magic8-Ball verrät Birgit gerade, dass sie sich den Gü warm halten soll.



condoms in tha condorminium

Kleinodien aus Daves Vorlass: "Modern Cake Decorating"



Gelegentlich dieser Fracht sprach ein Brite zu mir: "So you don't wanna miss the match, huh?"


Dann eine arge rassistische Entgleisung:



Ich weigerte mich in aufrechter antirassistischer Empörung, auch nur einen weiteren Finger in so einem Haushalt krumm zu machen und übergab die ausstehende Arbeit den Profis:


Wir wechselten über in Daves neuen Singletraum in zentraler Lage. Eine besondere Ehre war es mir, dass er mich auserkor, als Partnerinnenimitat an seiner Seite für die in London renommierte Innenarchitekturgazette "Postmodern Living" zu posieren.


Positiver Nebeneffekt der Auszugsstrapazen: Augenscheinliche Fitnessoptimierungseffekte an Daves Oberkörper. Übrigens: Entgegen seinen Schilderungen der Ereignisse des Ausräumtages für mir wildfremde Leute sah ich beim Computertragen NICHT aus wie King Kong!




Kommen wir nun zum touristischen Teil. Auf unten einzusehendem Bild ist die Wohnung von Mick Jagger in Daves Nachbarschaft zu sehen. Als Letzterer noch nicht so viel arbeiten musste, sind die beiden öfters mal zusammen ins Richmonder In-Treff "Regent's" gegangen, wo der alte Mick schon mehr als einmal beschickert vom Tresen gerutscht sein soll.




In englischen Supermärkten bekommt man nicht nur 124 verschiedene Chipsrassen zu kaufen, sondern auch recht hässliche Patriotismus-Features.


Uebermotivierte Integration
Apropos Einkaufen: Geht bestens in Camden. Hier ein Ranking meiner Lieblingsangebote:
Platz 4: Gülden gerahmte Autogrammbilder von hässlichen Außerirdischen


Platz 3: Närrische Kopfbedeckungen

Der Verkäufer dieser beiden Hüte verglich uns übrigens mit Laurel und Hardy. Als ich meinte, dass Psychomutti die Dumme von uns beiden sei, meinte er mit einem sehr verräterischen Blick "They are both stupid!" Das fand ich sowas von frech!






Platz 2: Pfiffiger Partnerlook



Platz 1: T-Shacks mit Aussage


Ad Partnerlook ist leider zu berichten, dass Psychomutti Niglnagl die unangenehm-schwesterliche Angewohnheit an den Tag legte, sofort all das auch haben zu wollen, was ich mir kurz zuvor gekauft hatte. Ich litt wie ein Hund (Trend-Setter, haha!), Dave musste öfters eingreifen und Tränen trocknen.
Am Abend führte er uns dann in ein Kasperltheater für Große, in dem blau angestrichene Männer allerhand Schabernack auf der Bühne und mit dem Publikum trieben. Psychomutti zog sich Daves immerwährenden Groll zu, als sie "Pick him!!!!" brüllte und auf ihn zeigte, als es interaktionistisch wurde.



blue man ninja convention







"Anschließend" stürzten wir ins Nachtleben und hatten Acht darauf, was den Engländer von uns unterscheidet.



Sympathischer Charakterzug der Briten: Sie lieben ihre Herrscherin und haben immer eine Autogrammkarte für den Fall der Fälle mit:





Minuspunkte gibt's erstens für ihren grässlichen Autogeschmack:



Den nächsten Punkteabzug muss ich für die Speisepreise vergeben. Der arme Dave musste uns ständig finanziell unter die schwachen Ärmchen greifen!
Top-Unart der Engländer: die liberale Sexualmoral. Zum einen lässt sich diese als Folge des Niederganges der einst so florierenden britischen Textilindustrie erklären. Viele Menschen haben nur genug Geld für Miniröcke und Shorts - die Oberbekleidung leidet am meisten darunter, in weiterer Folge dann natürlich auch der öffentliche Anstand. Überall findet Geschlechtsverkehr statt und trägt so maßgeblich zur Verrohung der Sitten bei. Sogar der sonst so distinguierte Dave ließ sich zu "That's what God invented a penis for!" hinreißen, als Psychomutti und ich unser Entsetzen angesichts zweier in einem Kathedralenvorgarten (!) kopulierender Briten zu verbalisieren versuchten.
Jedenfalls passiert es die ganze Zeit.





Die arme Psychomutti reagierte mit geistiger und körperlicher Zerrüttung auf den sittlichen Niedergang unserer Gastgesellschaft. Ich selbst fiel immer wieder in Ohnmacht.





Dank unserer künstlerischen Veranlagung konnten wir die Sache aber durch Ausdruckstanz positiv verarbeiten. Diese Installation trägt den Namen "Hier steht die Welt Kopf!" Psychomuttis Performance war vom Willen getragen, die zerstörte Balance wiederzufinden.




Dermaßen geläutert konnten wir mit frischen Kräften für die gute Sache eintreten und vor dem Buckingham-Palast für die Rechte alleinerziehender Mütter eintreten und abschließend ein Bier unter Freunden zwitschern - übrigens Jamaikanisches: schick, nicht?







Und dann passierte es - Schuld war die britische Sexualmoral!! Und wir waren zumindest mit dem Herzen bei der Sache!




Naja, Schwamm drüber. Hier noch zum Abschluss ein paar Bilder aus Ugley bei Stanstead:









Donnerstag, Mai 11, 2006

Prima Klima in Lima




Seid in aller gebotenen Kuerze gegruesst und von eurer sicher schier unertraeglichen Sorge befreit, ihr geliebten Leser in der Heimat! Ich kann noch nicht von allzu viel berichten, was euch hinterm Ofen hervorlocken koennte, ausser dass es in unseren schnelllebigen und distanzlosen Zeiten durchaus noch Anreisezeiten gibt, wo ich sag, jawoi, das ist eine Zeit: Wir sind gestern auf insgesamt 26 Stunden gekommen. Da muss jeder verstehen, dass man sich gleich einmal ein paar Pisco Sours hinter die Binde kippt, bis die Seele nachkommt.

Die Latinos sind in der Tat sehr hetero, aber ich versuche die augenrollend angedeutete Unbill hintanzuhalten, indem ich mir dieses Hotel-Tuerschild mit "No molestare, per favor!" um den Hals haenge - bislang mit gutem Erfolg. Ich wurde gestern uebrigens schon fuer eine Brasilianerin gehalten, was doch viel schicker ist als die uebliche Suedboehmin.




Little Hallstatt


Super Schnecken in Lima

Nachmittagsdampf und Walpenis


Pisco Sour: Jugendliche und Alkoholkonsum



Award für die skurrilste Bar-Deko dieser Reise: Links unten ein Walpenis in der Hotelbar von Paracas

Armleuchter, Scheiße-Inseln und Außerirdische im Wüstensand


Drei Armleuchter


Guano-Insel




Inkamusik - Hans greift zur Flasche und bestellt Cerviche (das Unheil nimmt seinen Lauf)



Die Flieger von Nasca



Der Alien von Nasca

Von Nasca nach Arequipa

Guten Morgen, ihr Zurueckgebliebenen!

Ich kann nicht viel schreiben, weil wir gleich weg muessen (11 Stunden im Bus!!!). Gestern waren wir am Meer und sid mit einem Flugzeug ueber die Nasca-Linien geflogen!

Meine Zeit ist um!



Handstand am Sandstrand




Ein Fischgedicht

Coca-Tee im Colca-Tal mit Condor


Papa spechtelt Kondore aus


Da sind sie schon! Wahrscheinlich eh aus PLastik für die Touris...


CocaTee



Arequipa - Cusco

Hola Amigos!
Fuer euch erledigt:
- Wie ein Kind am Strand herumgerannt
- Sonnenbrand eingefangen
- Inkahaube erworben
- Lama gestreichelt
- Kondor beim Pasar beobachtet
- Panfloete gespielt (und nachher aufgrund der Hoehe aus Luftmangel fast umgekippt - ehrlich)

Die Haelfte der Companeros laboriert an einer Fischverstimmung, ich konnte tolle Erfolge bei der Missionierung fuer die vegetarische Sache feiern.

Soda, es geht schon wieder weiter - seid alle geherzt!




Cusco

Inka-Weg: Erster Tag



Die erste von 34 Erklärung der Wintersonnenwende



Esel täuschen am Foto über das Verdorren barocker Blütenpracht hinweg



Shopping Mall am Inkatrail







Inka-Weg: zweiter Tag


"Alles, was du siehst, wird einmal dir gehören!"












Inkaweg: Machu Picchu



Meine geliebten Leserkinder!

Nach der Vollendung des Inkapfades ist die Haelfte der Mitreisenden inkl. meinereiner derart fussmarod, dass ich zuweilen glaube, auf einem Reha-Ausflug der Hueftgruppe zu sein.
Viel schlimmer war aber die Rueckreise im Zug von Machu Picchu, die einer ueblen Heizdeckenfahrt glich. Das Bordpersonal muss dort den wehrlos dahockenden Touris, die von Hoehenrausch, Sonnenstich und mystischen Erlebnissen noch ganz damisch sind, Strickware vorfuehren bzw. zum Erwerb derselben animieren. Dazu droehnt der ubiquitaere Inkasound aus den Boxen, waehrend draussen die Campesinos den Kukuruz mit der Hand ernten. Man stelle sich das bei den OEBB vor - auf der Strecke von Innsbruck nach Salzburg erklingt der Zillertaler Hochzeitsmarsch und die Schaffner muessen einen Trachtenmodencatwalk hinlegen. Obwohl, das haette schon wieder was!
Wie auch immer, Peru ist so schoen, da kann mich so eine Alpaca-Heizdeckenfahrt gar nicht nachhaltig verstimmen.


Morgen kommen wir nach Bolivien bzw. Copacabana, wo man in der juengsten Vergangenheit mit unseren Landsleuten nicht immer recht pfleglich umgegangen ist. Aber ich kenne keine Furcht, denn ich habe seit heute eine Okarina bei mir - and I am not afraid to use it! Und ich weiss auch schon, wessen Kinder dieselbe nach geglueckter Rueckkehr geschenkt bekommen werden, zusammen mit einem Llama, das !Chanchon loco! quaekt, wenn man es drueckt.

Embracos grandes!
Vuestra Madrita del Loco di Uebo



Skandalöse Entgleisungen durch rituelle Aufputschung

Bolivien: Titicacasee







Woisi im Shoppingrausch





Zwei Kulturen treffen sich am Grenzübergang zu Bolivien



Titicacasee - Thomas zieht an der Flagge, nicht an meinen Haaren, auch wenn ich so dreinschaue







Ausflug des Salinenchors Ebensee zum Salzsee




Ausflug Salinenchor - keine geeichte Gramwaage!










... and the return without dignity









Am Eisenbahnfriedhof des Lebens - Rocks in Uyuni


Wer es nicht lesen kann - auf der Lok steht: Mechaniker gesucht - Dringend!


Wenige Minuten später bekam ich das Ding wieder flott. Asi es la vida.


Zwei Wüstenschiffer


Canyon bei Uyuni






Herr und Frau Winkler beim Freeclimbing (free solo!)



Von Uyuni nach Sucre


The Strongest - der Cowboy von Taca Taca

Sucre


Hier gut zu sehen: Adalbert Stifter wirkte auch in Bolivien




Volvo und Boxenluder in Sucre



Sucre beherbergt Südamerikas skurrilstes Reiterinnenstandbild

Bulimie in Bolivien


Die Minkasiastatue in La Paz

Buen Dìa, Chicitos!

Heute ist der letzte Tag in Bolivien - wir sind in La Paz und guter Dinge, auch wenn wir gestern mit demjenigen diniert haben, der die beiden ermordeten Oesterreicher eingesegnet hat. Ein bisschen hat man das schon im Kopf, wenn man hier herumflaniert...
Der Essstoerungsbezug in der Ueberschrift ist in Assoziation mit den hiesigen Portionen entstanden: Hier kriegt man seine Gerichte immer im Schlachtplattenformat - ich war noch nie so froh, Vegetarierin zu sein. Fuer alle Zartbesaiteten: Man isst hier auch Meerschweinchen. Da ist der Sprung in Richtung HundKatzMaus auch nicht mehr weit. Aber wie sag ich immer: Wenn schon Fleisch, warum dann nicht mit kuscheligem Pelz?
Morgen beginnt die letzte Etappe in Weitwegistan, und ich verspuere noch kein unbewaeltigbares Beduerfnis zur Heimkehr. Um einen meiner Reisekollegen zu zitieren: "Mei Liawa, auschau kunnt ma si a so vue, owa mid da scheiss Oawat vatuat ma si de gaunze Zeit!" Als ich vor einer Stunde einen bestellten Geburtstagsanruf erledigte und von meiner Heimreiseunlust berichtete, meinte das Geburtstagskind nur grob: "Daun bleib." Na wartet, bis naechste Woche werd ich euch schon noch fehlen, dass die Schwarte kracht!
Vaya con Dìos!



Che




Das passiert, wenn man sich hier an die Gebote hält: "vehiculos a la izquierda" heißt "Autos nach links".


Der Illumani

Chillen in Chile

Papa Ratzi bewacht meinen Schlaf


La Familia Chilena

La Paz - Alalay



Weil im Hotel das Internet gratis ist, kann ich euch schon wieder ein paar Zeilen aus dem schicken Weitwegistan zueignen.
Ich muss euch naemlich sagen, mein Knie schaut heute aus wie eine Chorizo (bol. fuer "Wurscht"), weil ich gestern stundenlang im Kinderheim Chicitos in die Luft geworfen habe - und das waren ca. 110. Das kommt davon, wenn man ueberall Bloedsinn vorbeibringen will. Am Ende zeigte ich ihnen dann, wie man richtig Klimmzuege macht; das Ergebnis war durchaus malerisch: Ein Dutzend kleiner Indigenos baumelt gicksend an der Torstange.


Buwi and the Happy Family



Mehr kann ich euch jetzt auch nicht berichten aus Weitwegistan.

Würdelose Heimkehr





Die Atacama-Girls

Donnerstag, Februar 16, 2006

Menschlichkeit im Baltikum

Liebes Lesevolk!

Da ich aufgrund von Knie- und Geldbeschwerden derzeit nicht mobil bin, lasse ich reisen, denn immer bloß zuhause herumzusitzen bringt die Menschheit nicht weiter.
Ich möchte deswegen unseren lieben Architektenfreund recht herzlich einladen, an dieser Stelle per Kommentar recht interessante Einblicke in die fremde Welt des Baltikums zu gewähren. Man kann aber auch die Überschrift anklicken, da schreibt er auch was.



Franz und seine bezaubernde Freundin Michaela (l.), die sich jetzt jeden Tag die Augen aus dem Kopf weint.

Mittwoch, August 31, 2005

Permanentes Berichtprovisorium: Jugoslawien revisited

Ja, ich weiß, wir schreiben mittlerweile November und mein Urlaubsbericht vom August ist immer noch nicht da. Andererseits verirrt sich hierher ohnehin keine Sau. Also was soll's.





Lesen Sie demnächst: Wie mein Primärfreund A. in Jugoslawien ins Puff ging und wie mich die Erinnerung an die Unterhaltspflicht gegenüber meinen Lesern vor dem Ertrinkungstod bewahrte.



A. geht ins Puff


Da juchzt das Urlaubspferdeköpfchen: Romantische Landschaften zaubern Gefühl ins Herz!




Hier starb Winnetou - fünf Minuten, nachdem er sich für Old Shatterhand toschießen hat lassen und im letzten Atemzug Christ geworden ist.
Fotos: MNK

Dienstag, Juli 26, 2005

Das Einkehrwochenende in Ktisch

Liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung!

Endlich können wir wieder reden miteinander! Ich musste - auch für mich selbst überraschend - zur Einkehrwoche in die Böhmei. Was ich dort alles erlebt habe, erzähle ich, sobald es wieder regnet (also eh am Nachmittag). Einstweilen ein paar schmucke Impressionen:



Einkaufsspaß in Budweis: Der aufblasbare Panzer bricht das Eis auf jedem Kindergeburtstag!


Toter Fisch nach Ktisch: In Budweisens Pizzerias kann man auch selbstgefangene Fische prasseln lassen.



Essen muss man aber mit der Hand.

Dranbleiben lohnt sich! Lesen Sie bald, zu welch drastischen Mitteln meine Eltern greifen, um ihren Großelterntrieb zu befriedigen, wie man mit Grieskoch Stimmung zaubert und wie der Hubertussegen zahlreichen Familien das Leben rettete.

Montag, Juli 25, 2005

Der Gstieß von Ktisch

Geliebte Leserschaft in Christo!

Nachdem sich im Hexenkessel meines derzeitigen Soziallebens keine freie Minute mehr für die stille Kunst der Worte fand, musstet ihr gestern mit leeren Hirnen ins Bett, während ich vor Mitteilungswut platzte. Ob ich heute ein Ventil für mein "schablonenhaftes Gesprächsbedürfnis" (so ein wohlmeinender "Freund") finden kann? Ich muss schnell schreiben, denn ich fühle die Zeit, die das Feuer ist, in dem wir verbrennen!
Da ich weiß, wie sehr es manchen unter euch unter den Nägeln brennt, mehr von meinen spannenden Abenteuern zu erfahren, werde ich kurzfristig meine liebevoll-sorgfältige Schreibroutine zugunsten eines knallharten Publish-or-Perish-Systems hintanstellen...
Oh weh! Die Zeit! Wieder nurVorspiel statt knallharter Abenteuer! Ich muss weg! Adieu!
Ich knall euch aber vorher wieder ein paar Sachen aufs Aug, sonst werdet ihr mir untreu und sucht euch ein anderes Weblog! Am Abend gibt's Texte zum Nachdenken dazu.

Das Motto: "Katholerer finden zu sich selbst - Ein mündiger Christ werden!"


Begeisterte Christen brauchen keine Würde:


Während sich die Vatertagsnüchternbleiber für ihren Nachwuchs entwürdigen, treiben die knallharten Muttis die Drogengelder der Zweigstelle Prachatice ein.
Foto: MNK

Tschechiens Polizei ist machtlos gegen 1000 Nigerianer und 5 Österreicherinnen.
Foto: MNK

Sonntag, Juli 24, 2005

Exklusiver Gastauftritt vom Zeitgeschichtestar: Das Wunder von Ktisch

Werte Freunde der gepflegten Reiseberichterstattung und Abenteuerschnurren! Ein Wunder hat sich ereignet! Leser G. hat mir spontan und unbürokratisch in seiner Mittagspause die Hubertusgeschichte geschrieben! Da sing ich zum Dank insgeheim den "Wildschütz"!

Wie ein beherzter Weblog-Nerd fünf Jungfamilien von des Todes Schaufel schubbste


Es sollte ein unvergesslicher Familienurlaub werden. Fünf österreichische Jungfamilien verbringen ebensoviele Tage in einer Aussteigerhütte im südböhmischen Ktis, wo sie sich dem Rhythmus ihrer Kinder hingeben: schlafen, essen, trinken, spielen. Um den Erholungswert für die erwachsenen Expeditionsteilnehmer zusätzlich zu steigern, wird die perspektiven-, kinder- und arbeitslose Jungakademikerin Dominika M. angeheuert und sinnstiftend einer Aupair-Sekundärnutzung zugeführt. Was sich zunächst ob der kinderbetreuungstechnischen Jungfräulichkeit von Jungfräulein Dominika als Flop und Geldvernichtungsaktion (sie verlangt pro Betreuungsstunde ein Budweiser-Bier und pro angekackter Windel zwei) anlässt, soll sich später als lebensbejahende Weichenstellung erweisen.




Trotz der Elefanten im böhmischen Wald: Eine spontane Manifestation unmotivierten Verhaltens.
Foto: MNK


Denn: Nach wenigen Tagen der hyperpassiven Duldungsstarre und Aktionismus-Enthaltsamkeit plant die verschworene Gemeinschaft eine Landpartie, von deren verhängnisvollen Implikationen zu diesem Zeitpunkt niemand auch nur das Geringste ahnen kann. Bis an die Zähne hoch- und ausgerüstet mit freizeitstressbekämpfenden Kinder- und Sportartikeln aller Art begibt man sich auf Wanderschaft. Erster Höhepunkt: Die dislozierte Kinderwagen- und Spielzeugabteilung mutiert zum Grenzlandchor Arnoldstein und der heilige Hubertus himself delektiert sich in seiner Wald-Ubikation an den schaurig-schönen Gesängen. Spontan und unbürokratisch erteilt er trotz Mittagspause den Segen. Den wird man noch brauchen. Denn bereits auf den nächsten Metern trägt sich jenes schicksalsschwangere Ereignis zu, das nur Stunden später zum empirischen Stoff für die Mutter aller Heldensagen werden sollte.




Hier wurde der Hubertussegen erfleht, der nur wenige Minuten später dabei half, mein Leben auf die lebensbejahende Schiene zu bringen. Foto: MNK

Doch alles der Reihe nach: Beflügelt von der hubertinischen Metaphysik lustwandeln die Freunde des gepflegten Kindergeldes in locker gruppierten Formationen eine kleine Anhöhe empor, als plötzlich das Unfassbare geschieht. Das bislang nicht sonderlich auffällig in Erscheinung getretene und etwa zehn Meter hinter der Gruppe widerwillig-unmotiviert latschende Aupairmädchen Dominika (Agnostikerin und deswegen von Hubertus nicht motivierbar) bricht sich Bahn durch die dicht geschlossenen Reihen. Jungväter treten angerempelt Jungmüttern auf die Zehen, Jungmütter weinen, Kinderwägen fliegen! Was ist geschehen?
Ein Reifen der Größe X-Large hat sich von einem auf der Anhöhe arbeitenden Bagger gelöst und rast mit Höllentempo auf die Unschuldigen zu. Die nicht nur geistesgegenwärtige, sondern auch über die Maßen mutige Dominika (was würde alle Geistesgegenwart dieser Welt nutzen bei null komma Josef Risikobereitschaft) schickt sich an, ihr volles Körpergewicht dem Mordinstrument entgegenzuschleudern - wie weiland Old Shatterhand seinen Luxuskörper einem Winnetou zugedachten Projektil entgegenstellte (und dabei unglücklicherweise starb). Angestachelt von dieser Karl May-Assoziation und den süßen Ruhm vor Augen ist Dominika jedoch ein wenig übermotiviert. Ihr Tempo, mit dem sie auf den Reifen zurast, ist unangemessen hoch und so wird sie nach dem Aufprall einigermaßen weit zurückgeschleudert. Diese ungelenk wirkende Hinfälligkeit entauratisiert für kurze Zeit die Majestät des schicksalhaften Augenblickes. Einige Väter müssen sogar kurz lachen. Dies auch deshalb, weil sie nie gelernt haben, mit großen Gefühlen (Todesangst, Bewunderung, ...) umzugehen. Doch als sich Dominika wieder erhebt und die Gruppe umgehend dazu auffordert, sie als kühn posierende Reifenbezwingerin abzulichten (wieder etwas übermotiviert), schleicht sich tief empfundene Dankbarkeit in die Herzen der Erretteten.




Foto: anita


Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Helden-Aura noch ein zweites Mal empfindlich gestört wurde. Nämlich als die Freunde unter großen Mühen nicht nur Dominika auf den Schultern trugen, sondern auch den Reifen den Berg hinauf zum Baggerfahrer zurückrollten und dieser bar jeder Rührung sinngemäß aus dem Tschechischen übersetzt sagte: "Legt ihn in den Graben" ...

Endfassung: Die wilden Tage von Ktisch mit der Bohème von Böhmen

So! Nachdem nun schon Drohmails eingelangt sind, ich möge gefälligst die Urlaubsberichterstattung einer Erledigung zuführen, muss ich jetzt wohl.

Das Ganze fing mit einer Absage an: Die Nachbarn waren mir schon seit Wochen mit dem verwegenen Ansinnen in den Ohren gelegen, ihnen im Urlaub das Aupair-Mädchen zu spielen. Dahinter steckte die doch etwas gemeine Absicht, befreundeten Jungfamilien vorzugaukeln, man könne auch mit Kindern urlauben wie früher zu Rockstarzeiten. Ich lehnte selbstverständlich ab! Bei aller geisteswissenschaftlich induzierten Sinnsuche (sprich: bei aller Gier nach sinnvoller Tätigkeit) - die Vorstellung, als verwöhnte Primarstochter eine subalterne Anstellung im Nachbarshaushalt annehmen zu müssen, trieb mir den kalten Schweiß auf die Stirn.
Ich ließ die Nachbarn also heulend und z.T. tobend zurück und ging meiner Wege. Einer davon führte mich in den Kofferraum unseres Autos, das ich meinem Mäzen zuliebe staubsaugend von den letzten Haaren unseres kurz zuvor verwichenenen Hundes befreien wollte. Nach nur wenigen Minuten übermannte mich der süße Schmerz des Gedenkens und ich begann mädchenhaft bitterlich zu weinen. Da die Tränen meine Augen trübten und der Staubsauger meine Ohren, bemerkte ich zu spät, dass sich das Auto in Bewegung gesetzt hatte. Ich wuchtete mich zur Handbremse. Auf halbem Wege musste ich erkennen, dass sich die Nachbarn heimlich unser Auto geliehen und obendrein mich entführt hatten! Dies erkennen und erneut bitterlich weinen waren eins.
So landete ich also mit leergeweinten Augen im südböhmischen Ktisch. Von den anwesenden Jungfamilien stieß sich keiner an meinem unglücklichen Los, zumal ich nicht nur die kleinen Goldbären zu umsorgen hatte, sondern auch noch als Reisereporterin, Mediatorin, Fremdwörterluder Kinderkungfu-Animatorin, Humorflitscherl und Häusldepp in Personalunion fungierte. Das alles natürlich mit mäßigem Erfolg, denn zu diesem Zeitpunkt galt für mich noch, dass aus dem Schmerz kein Scherz hervorsublimiert werden kann.
Dass man mich dann aber zwang, für jeden misslungenen Sager einhändige Liegestütz machen (ich schaffte keinen einzigen), brachte mir folgende Erkenntnis, die ich hiermit allen Lesern auf die Kopfpölster sticken möchte: Man kann auch ohne Spaß fröhlich sein!
* * *
Da war ich also ordentlich in die Bredouille geraten. Aber gegen die Wand gedrängt pflege ich einen unbändigen Freiheitswillen zu entwickeln. Fieberhaft begann ich nach Ausbruchsmöglichkeiten zu suchen. Bald schon hatte ich einen Plan: Des Nachts aus dem Zimmer stehlen (mich selbst, aber auch das Geld der Entführer), mich bis zur Moldau durchschlagen, einen Kajak rauben und dann an der Grenze um Asyl ansuchen - ich versprach mir von dieser Erfahrung als zusätzlichen Benefit einen tollen Erlebnisbericht für den "Falter" oder irgend ein anderes Gutmenschenblättchen, am besten gar einen Auftritt bei Veras "Schicksalstagen". Das würde einen enormen Auftrieb für mein Kunstwollen bedeuten.
Alles würde ganz leicht gehen: Die erwachsenen Zimmergenossen (zu allem Überdruss hatte man mich der Familie G. auch als Schlafgast zugeteilt) wollte ich mit billigem Pils abfüllen, die Kinder, sollten sie weinend anschlagen, mit tschechischer Jausenwurst besänftigen. Untertags war mir schon bei mehreren Gelegenheiten aufgefallen, dass mich die Einheimischen aufgrund meiner Rassemerkmale für eine der Ihren hielten; das würde ein immenser Vorteil sein.
Dann ging alles schrecklich schief. Die Bettwäsche, an der ich mich an der Hauswand abseilen wollte, war um eineinhalb Meter zu kurz. Ich wagte nicht loszulassen; schnell wurde mir höhenangst und bang, meine Hände lösten sich unaufhaltsam aus der Umklammerung. Während des Fallens wurde mir zudem bewusst, dass die Moldau in die falsche Richtung fließt, ich wäre also wahrscheinlich im Schwarzmeer gelandet wie dereinst meine Schwester Coala nach einem Badeunfall in der Rodl (von diesem Abenteuer wird auch einmal noch zu berichten sein).
Ich erhob mich unter Schmerzen, klopfte mir den Staub aus den Kleidern und ging ins Restaurace "Ruce" einen heben. Nach dem siebten Pils kam mir dann obendrein noch zu Bewusstsein, dass ich ja eigentlich auch durch die Tür hinausspazieren hätte können. Damit begrub ich meine Fluchtpläne.
Im Zimmer war meine Abwesenheit gar nicht aufgefallen, was mich trotz allem ein bisschen kränkte. Ich wuchtete mich mühsam auf das Stockbett und begann meine Suche nach einem Platz in Morpheus Armen - ein angesichts einer konzertierten Innviertler Sägekakophonie völlig aussichtsloses Projekt. Ich lag also noch stundenlang wach. Bei dieser Gelegenheit wurde ich auch Zeuge sehr unkonventioneller Erziehungsmethoden: Die untertags sanft und lieblich die Kinder umsorgende Mutter G. entwickelte ausgerechnet des Nachts plötzlich Prinzipien - dem wimmernd und schließlich schreiend nach ambidextrer Zuwendung flehenden Sohn ("Mit zwaaaaaaaaaaaaaaaaaa Händt!") wird nach einer Viertelstunde Flehens barsch beschieden: "Du kannst bitzeln, bis du schwarz wirst!"
Ich hatte also alle Zeit der Welt für meine Gedankengänge. Zunächst beschäftigte mich noch die Idee, eine extrem klassenkämpferische Aupairmädchen-Gewerkschaft zu gründen; bald aber tröstete mich der Geistesblitz einer neuen, erfolgversprechenden Strategie: Bedingungslose Integration.

* * *

Was wäre dazu besser geeignet gewesen, als die eben von mir und Coala gegründete Bewegung "Begeisterte Christen!" in die Herzen der in Ktisch Anwesenden zu tragen?
Man muss wissen, dass uns beiden am Wochenende zuvor ein wahrliches Pfingsterweckungsereignis widerfahren war.
Coala war die Idee gekommen, ihre wertvollen Schriftstücke bereits zu Lebzeiten dem Landesarchiv zu überlassen; sie stellte eine große Schachtel zusammen und übergab sie vertraulich unserem Nachbarn. Der dachte aber gar nicht daran, die vereinbarten 100 Jahre abzuwarten und erbrach das Siegel. So kam es, dass er ein zufällig unter Coalas Werke geratenes Dokument fand, das er sogleich an die Öffentlichkeit zerrte:

Wir nahmen unserem Nachbarn die Sache aber nicht übel, vielmehr freuten wir uns über den lieben Gruß aus fernen Kindertagen und inszenierten spontan und unbürokratisch eine kleine Gartenmesse. Da aber geschah es, dass sich plötzlich Zeichen und Wunder dartaten:



Wie Feuerzungen prasselte die Inspiration auf unsere Köpfchen herab! Wir rissen die Hände in die Höhe und riefen "Hosanna!", "Halleluja!", aber auch "Kraaaa!", denn man kann Gott mit allen Worten dieser Welt loben.
Dann begannen wir, unsere Begeisterung in die Welt hinauszutragen.


Das Menetekel vom Leitenweg.
Foto: MNK

* * *
Das alles wurde mir in meinem Stockbettchen auf dem nassgeweinten Kopfpölsterchen bewusst. Ich war getröstet und dachte vor dem Einschlafen noch: "So klappt's auch mit den Nachbarn!"
In der Tat verfolgte ich ab dem nächsten Morgen die Strategie der begeisterten Christen. Sobald jemand etwas geäußert hatte, warf ich meine Arme in die Luft und brüllte aus vollem Hals "Halleluja!" und "Lob sei dem Herrn!"
Ich muss an dieser Stelle übrigens das im Gast-Posting dem Hubertussegen zugeschriebene "Wunder von Ktisch" ein wenig rekontextualisieren: Die wunderbare Weichenstellung zum Lebens-Ja erfolgte nicht erst vor der Ktischer Waldkapelle, sondern eben daheim in Mutters Garten. Dass der Heilige Hubertus seinen Segen auf die Kindergeldbezieher und meine Wenigkeit herabstrahlen ließ, kam insofern auch nicht von ungefähr.
Durch meinen Furor religiosus war ich nun nicht nur bei der Baggerreifenaktion leicht (d.h. fast schon märtyrerhaft) übermotiviert, sondern beispielsweise auch beim Baden:


Begeisterte Christen tragen einander!
Foto: MNK
Man muss der Ehrlichkeit halber aber einräumen, dass meine skeptischen und aufgeklärten Reisekollegen einige Zeit brauchten, um meinen Sinneswandel nicht für alkoholinduziert zu nehmen. Mehr als einmal musste ich den Lieben erklären, dass man wohl auch ohne Alkohol Spaß haben könne bzw. Gefühle zeigen dürfe. Dass ich dann aber gern zwo, drei Pils konsumierte, nehme man mir bitte nicht krumm, ich bin ja auch nicht aus Beton.
* * *
So nahm der Urlaubsspaß also endlich auch für mich seinen Lauf. Lustigerweise ausgerechnet an jenem Zeitpunkt, an dem er für manche kurzfristig seinen Lauf stoppte, denn so ein sterziges, boweliges Grießkoch ist wahrlich nicht jedermanns Sache. Ich reagiere bei solchen Dingen ja mit leichtem Herzen stoisch, denn es gilt in meinem Leben: Hauptsache billig, viel und von jemandem anderen gekocht. Wenn dann auch noch kein totes Tier drin herumschwimmt, ist mir jedes Essen recht. Dass Anita und Peter kulinarisch vom gleichen Mindsetting beseelt sind, kann man im vorhergehenden Posting betrachten. Super Kompromisslösung all jener, die zwar anfangs die picksüße Plörre unkritisch in sich hineingeschaufelt hatten, dann aber unter dem allgemeinen Naserümpfen nachdenklich wurden: Die Pilsspülung.


Peter entdeckt: Grausliches wird nicht besser, wenn man neue Zutaten hinzufügt. Ein begeisterter Christ schätzt aber Gottes Gaben und isst auf!
Foto: MNK


Anita als mündige Christin beim Nachschlag.
Foto: MNK


Bei manchen drückt aber die Kulinarik auf die Stimmung. Daraus entsteht oft ein Alkoholproblem.
Foto: MNK



Ein Alkoholproblem ist der Stimmung aber mitunter förderlich.
Foto: MNK



Aufreibende Kinderbetreuung - das haut den stärksten Eskimo vom Schlitten.
Foto: anita

Mittwoch, Juni 08, 2005

Als ich einmal fast König von Nepal geworden wäre

Dass mich die alljährliche Fanreise mit Hansi Hinterseer letztes Jahr einmal ein bisschen weiter weg geführt hat, weiß die informierte Weltöffentlichkeit seit Oktober letzten Jahres (falls nicht: Überschrift anklicken und sofort nachlesen). Was sie allerdings nicht weiß: Ich wäre fast und udaungs Königin von Nepal geworden! Wie es dazu kam? So:
Der Pfauenthron wird seit 2002 vom äußerst missratenen König Gyanendra besetzt, dem nachgesagt wird, er habe 2002 seine halbe Verwandtschaft samt amtierenden Eltern (s. u.) entleiben lassen. Er stellt also nicht eben das dar, was das Volk einen Sympathieträger nennt.

Das 2002 verwichene Herrscherpaar. Foto: Standard


Im Oktober nun reiste ich also mit Hansi Hinterseer und anderen Fans u.a. nach Kathmandu. Dort begutachteten wir ein Museum. Ich war vom vorhergehenden Umrunden eines heiligen Berges rechtschaffen müde, konnte also nicht besonders lange stehen. Ich schaute mich um, und als die Luft rein war, setzte ich mich ganz geschwind ein Sekündlein hin, "to put the weight off the feet", wie der Engländer so schön sagt. Dieses vom Fuß auf den Hintern bzw. auf eine mir unverdächtig erscheinende Sitzfläche verteilte Gewicht löste aber sofort einen schrillen Alarm aus, der die Museumsaufseher dermaßen schnell an den Ort des Geschehens brachte, dass ich in meiner schwerfälligen Art noch immer dasaß, als sie einen mords Bahöö vom Stapel ließen. Ich war ein bisschen erschrocken, das kann man sich wohl vorstellen.
Die Wachen schrien herum, ich fürchtete mich also. Aber nur so lange, bis ich mich entsann, dass ich ja in den vorangegangenen zwei Wochen leidlich Nepali gelernt hatte. Sogleich verstand ich, worum es ging: Ich hatte mich versehens auf den hier zwischengelagerten Pfauenthron gesetzt! Da ich nun schon so gemütlich sitze, so die aufgeregten Nepalesen, könne man mich doch gleich krönen, dann könne der grauenhafte Gyanendra brausen gehen. Schon rannten einige von dannen und kamen bald mit den restlichen Herrschaftsinsignien (Krone, Schwert, Bobbyhelm und Schnurrbart) zurück.
Ich fand schon Gefallen an der Vorstellung, das Hindukönigreich am Fuße des Himalaya zu regieren; doch da dachte ich an euch, liebe Freunde, und mir wurde das Herz eng. Ich blies das Ganze also ab.


Probesitzen auf dem Pfauenthron. Foto: Coala

Dienstag, Juni 07, 2005

Zum Geleit!

Werte Leserschaft!

Das nun von Ihnen durchstudierte Dokument gibt Zeugnis von den Abenteuern und Erlebnissen von 14 Menschen, die es kurzfristig in der Heimat nicht mehr aushielten. Ich habe dieses Schriftsück mit Sorgfalt und Liebe gestaltet. Es sind viele Bilder drin, und alle Buchstaben des Alphabets.

Als ich Teile daraus im November 2004 zum Vortrag brachte, schien alles in Butter. Teilweise waren die Zuhörer sogar aus der Bundeshauptstadt unter großen Gefahren angereist (s. Bild.


Bezahlte die Anreise zur Lesung mit einer Rippenprellung: Juitschi. Foto: MNK


Totaaal begeisterte Zuhörer. Foto: MNK


Alle sind ganz gebannt! Foto: MNK

Ich wurde aber hoffärtig und verlor mich in Träumereien, aus denen mich die Antwort eines gewissen Herrn Unger auf mein Ansinnen, mein epochales Werk doch in den oberösterreichischen Nachrichten zu publizieren, brutal herausriss: Mein Reisebericht sei zu schnoddrig, schrieb er! Ich weinte sehr. "Ich bin doch nicht schnoddrig! Ich bin eine seriöse Akademikerin!", so dachte ich. Dann aber fasste ich wieder Mut und beschloss, die Welt auf meine Art zu beglücken. Das Ergebnis ist weiter unten zu lesen.
Als reaktion auf mein Schaffen wurde in Wien-Ottakring ein Rothaubenlkoster gegründet. Das ist doch ein viel schönerer Erfolg als ein ödes Reisefeuilleton in den popeligen OÖN!


Zwei Rothaubennonnen im Himalaya von Ottakring.
Foto: Coala
In diesem Sinne! Lesen Sie sich die Äuglein wund! Und seien sie gespannt, was ich alles mit den G.-Brothers (s. Bild) erlebt habe!


Schauen gar nicht so aus, wie sie sind: Die G-Brothers mit Opa.
Foto: MNK

Samstag, Juni 04, 2005

22. September: Kathmandu

Nach einem z.T. eher ernüchterndem Besuch in zwei Krankenhäusern habe ich beschlossen, hier nicht siech zu werden, und wenn schon, dann am Herzen, da gäb´s zumindest einen gschickten Chirurgen... Ich komme mir schon so fehl am Platz vor! Wir wenigen Nichtmediziner dürfen uns nicht zu erkennen geben, wahrscheinlich genieren sich die anderen für uns – Karl und Susi haben zumindest anständige Berufe gelernt und ausgeübt und das Ihre fürs Gemeinwohl geleistet, aber Philosophie?! oder gar Politikwissenschaften?! Ich seh’ es eh ein! Deswegen versuche ich, während der Besichtigung (Besiechtigung – hahahahaaka!) in die Rolle einer Dermatologin zu schlüpfen, die ihr Fach aus Verzweiflung über die eigenen Wimmerl am Hirn ergriffen hat.
Am Nachmittag wurde das Programm touristischer im klassischen Sinne. Die Gegend rund um die Stupa von Bodnath gilt als „Klein Tibet“, und in der Tat wird sie von allerlei malerischem Volk umrundet, im Einzelfall auch in Körperlängen, wie man es vom „Universum“ kennt und natürlich erwartet! Die wehenden Gebetsfahnen rund um die safrangelbe Stupa ergeben vor dem Hintergrund der Endmonsunwolkenkaskaden und der grünen Hügel einen Anblick, für den man sich gerne mal ein wenig länger ins Flugzeug setzt.



Bodnath.
Foto: MNK


Tempel neben der Stupa.
Foto: MNK


Fotogener Klosternachwuchs.
Foto: MNK


Die Linke hat einen Vogel.
Foto: MNK

Fast noch beeindruckender war Pashupatinath, das Heiligtum am Fluß, wo die Hindus ihre Toten verbrennen. Die Atmosphäre lässt sich am ehesten noch mit „morbid“ beschreiben, aber das trifft es nicht ganz. Durch den von den Scheiterhaufen aufsteigenden Rauch, die eindrucksvollen Tempelbauten und die Gesänge, die zu uns herüber schweben, bekommt die Szenerie etwas Unwirkliches (das ist eigentlich eine ziemlich blöde Phrase, wirklich war es ja, aber eben kein Teil der bisherigen Wirklichkeit – hui, jetzt wird’s philosophisch!).


Monsunwolken.
Foto: MNK


Pashupatinath.
Foto: MNK


Eine Totenverbrennung.
Foto: MNK


Totenverbrennung in Pashupatinath.
Foto: MNK

Die eigentlichen Herren hier sind die Affen, die schon mal ein Geldtaschl fladern und dann ihre Macht auskosten.


Im Vordergrund: Spendenbox mit Affen. Im Hintergrund: Stierhoden.
Foto: MNK


Ein Pavianarsch.
Foto: MNK


Noch einer.
Foto: MNK

Sehr charmant im Gegensatz dazu finde ich die Tatsache, dass uns die Tigerbalsamtandler hier sofort korrekt mit „Hawedehre!“ oder „Ick liebe dick!“ ködern (ich fühlte mich da besonders angesprochen). Auch fühle ich mich geschmeichelt, weil man hier meine Ohrringe noch beachtet, das gibt’s zu Hause wegen der Piercingwelle gar nicht mehr.[1]
[1] Im Nachhinein musste ich erfahren, dass das Interesse eher anderer Natur war. Zum einen haben das hierzulande die alten Frauen so, zum anderen sticht man den Mädchen erst ganz spät die Ohren, damit sie ja als Buam wiedergeboren werden – was heißt das jetzt für mich? Dass meine Eltern unbedingt wollen, dass ich im nächsten Leben einmal wirklich als Frau auf die Welt komme, mir nicht mehr so viele Turnschuach kaufe und die Haare lang lasse?
Ich lerne weiterhin jeden Tag ein paar Gsetzln Nepali, die ich dann sogleich am nächstbesten Opfer (heute war es der arme Krishna) anwende – nur um dann schnell davonzurennen, damit die anderen nicht merken, dass ich eigentlich nur seeeehr Basales kann. Vor allem Antworten sind problematisch, weil i vastehs jo ned! Ich sollte allerdings doch einmal mit dem Nachfragen anfangen, denn heute habe ich einer Kellnerin udaungs mitgeteilt, dass das Essen fett war – in der Überzeugung, dass „mothi“ „gut“ heißt; meine germanophonen Begleiter wiederum haben den Eindruck gewonnen, ich würde aus Verzweiflung über die Trennung von den Eltern schon „Mutti!“ plärren. Alle haben mich ausgelacht, ich habe einen Schaden fürs Leben erlitten.
Morgen haben wir unsere zwei Anschlussflüge nach Simikot, von wo aus wir dann losmarschieren. Hoffentlich regnet es nicht in Nepalganj (wo ich fest an Vronuela denken muss!): Uns ist nämlich Suboptimales über diesen Ort zugetragen worden, ich glaube sogar das Wort „dreckiges Kaff“ vernommen zu haben. Da der Flieger auf Sicht geflogen werden muss, könnten wir hängenbleiben. Nur nicht dran denken. Wenn es aber schön ist, sehen wir morgen schon den Himalaya.

Krishna.
Foto: MNK

Freitag, Juni 03, 2005

23. September: Kathmandu - Nepalganj - Simikot

Viel zu früh hat heute schon der Tag begonnen, außerdem batzt mein rechtes Aug; aber auch die anderen schauen um 6 Uhr nicht anders, also fad aus der Wäsche.
Am Flughafen wacht dann zumindest Max auf, da in seinem Gepäck (und an dieser Stelle werden Hausfrauen in spitze Entsetzensschreie ausbrechen) eine Flasche Rotwein (aaaaah!) in ihre Einzelteile aufgelöst wurde – es wird uns während der ganzen Wanderung ein Hauch Bordeaux umwehen. Und jeder hat wohl in seinem/ihrem tiefsten, unmoralischen Inneren gedacht „Gott sei Dank war es nicht meine Tasche!“. Also ich schäme mich an dieser Stelle ganz offiziell. Aber abgesehen davon: Warum Wein? Und warum sogar Bordeaux? Ich persönlich habe mich mit grauslichen Kräutertees und pseudoisotonischen Brausen eingedeckt – was habe ich falsch verstanden? Und hätte ich das kleine Schwarze mitnehmen sollen?
Im Flugzeug war es dann sehr exklusiv und gemütlich, vielleicht ein bisschen zu gemütlich... weil groß war’s ja nicht. Und warum bitte heißt die Fluglinie „Buddha Air“? „Fliegen Sie mit uns direkt ins Nirvana!“


Buddha Air - Fliegen Sie mit uns ins Nirvana!
Foto: MNK

Alle lachen mich aus, als ich gestehe, dass mir die Situation nicht geheuer ist, und bemühen sich, mich mit dem Bericht von möglichst waghalsigen Kleinflugzeugerlebnissen zur Inkontinenz zu bewegen. Aber ich kann es gleich vorweg nehmen: Alles ist trocken geblieben.
Der Flieger muss direkt Kathmandu überqueren, ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn da was passiert. Nach wenigen Flugminuten tauchen am Horizont die ersten Berge auf, darunter vier 8000er, das lob ich mir.



Irgend so ein 8000er...
Foto: MNK

Nepalganj selbst liegt aber dann wieder auf Delhi-Höhe, das Klima ist dementsprechend angenehm. Der Ort präsentiert sich auf das Wunderbarste durch seine Flughafenklos, wo man das Klo-Motto „Don´t touch anything!“ mit auf die Reise bekommt. Als Entschädigung kümmert sich das Geburtstagskind von Nepalganj rührend und gschaftig um uns. An diesem Morgen hat er wohl gachgelbe Schlapfen und einen bezaubernden neuen Haarschnitt bekommen, weil er uns diese gar so stolz präsentiert. Er wachelt uns ins Gate, dann hält er uns auf, rennt hin und her und macht eigentlich gar nichts – aber er hat Geburtstag und ist deswegen sehr wichtig. Und doch: Trotz seiner rührigen Art kann er nicht verhindern, dass der Pilot befindet, wir hätten Übergewicht. Der freche Mensch geht dabei zum Beispiel davon aus, dass wir Damen je 70kg wögen! Zwar fehlt mir am wenigsten auf die 70, doch rege ich mich am lautesten auf. Schnell leert noch jeder seine Trinkflaschen aus und isst die schweren Äpfel, und auch sonst werden allerlei Gewichtsreduktionsstrategien ersonnen, aber alles für die Würscht, der Pilot bockt. Also bleiben sechs Gepäckstrümmer zurück, die beim nächsten Flug noch am gleichen Tag mitkommen sollen – sagt er.
Das Flugzeug ist noch kleiner, aber ich bin schon gaaaaanz cool. Leider nur bis zum Einsetzen des Sinkfluges, der augenscheinlich mitten in einen Berghang hinein erfolgt. Eine Landebahn ist nicht in Sicht, und dabei sähe man eh durchs Pilotenfenster. Erst als mit einem Rumpler das Flugzeug aufsetzt, nimmt man eine solche wahr. Zu meiner Überraschung ist auch diesmal die Hose trocken geblieben.


Landebahn in Simikot.
Foto: MNK

Simikot ist die Bezirkshauptstadt von Humla und hat eine überraschend hohe Einwohnerzahl. Wo verstecken sich die? Für die Kinder sind wir ein Faszinosum, blondes Haar kommt wie in jeder Kultur recht gut an, aber auch ich kann wieder mit meinen Ohren punkten. Bei näherer Betrachtung sind die Kinder nicht nur niedlich und dreckig, sondern auch ein bisschen lausig, sodass ich auf weitere Ohrenpräsentationen verzichte. Sie begleiten uns auf Schritt und Tritt, und bald zeigt sich, dass dies nicht aus reiner Zuneigung geschieht, vielmehr begehren sie mit Kulis und Zuckerl beschenkt zu werden. Dabei stimmen sie einen „Hallohallohallohallo“-Singsang an, der sich schon nach wenigen Augenblicken ins Hirn fräst.


Sie haben nichts gegen Touristen.
Foto: MNK

Während wir auf den Flieger warten, flaniere ich mit den Gahli-Brothers in den Ort, flankiert von den Lausmenscherln, die kudernd meine Ohrringe zählen und dabei immer wieder von vorne anfangen. Unter einem großen, alten Baum bekommt Florian einen feisten Zwazl in den Arm gedrückt, ich muss ihn so fotografieren, als wär’ er der Hl. Don Bosco. Dann beginnen Brutpflegehormone in ihm aufzusteigen, er fantasiert von einem Leben als Gemeindearzt von Simikot... – als er den Kleinen dann doch noch zurückgeben will, verweigern die Frauen rund um uns lachend und ich überlege schon, Muttern ein ganz besonderes Souvenir mitzunehmen.
Wie auch immer, der zweite Flieger wird an diesem Tag nicht mehr kommen – offiziell weil das Wetter zwischen Nepalganj und Simikot schlecht sein soll (es ist strahlend schön), inoffiziell weil sich heute keine gut zahlenden Touris mehr gefunden haben. Und natürlich ist mein Sack nicht dabei! Eh klar. Zu sechst müssen wir in ein Guesthouse, die anderen freuen sich schon auf die erste Nacht im Schlafsack. Das Guesthouse thront ein wenig über dem Ort und entschädigt das Nichtvorhandensein meines Zahnbiaschtls durch malerische Aussicht, dicke Decken und – tätääää! – eine heiße Dusche! Das reiben wir (naja, ich zumindest) den anderen auch mit Genuss unter die Nase.


Geht doch, oder?
Foto: MNK


Auch nicht schiach.
Foto: MNK

Das Abendessen, das erste, das uns vom Begleitteam gefeatured wird, ist üppig und sicher nur wegen mir vollständig vegetarisch. Wir speisen fein in einem Zelt, dabei werden in bester Skikurshüttenabendmanier gar lustige Schwänke zum Besten gegeben. Auffällig wurde in dieser Hinsicht Andi W.: Von den Gebrüdern G. hatte ich schon lange vor Reiseantritt gar so manchen Schabernack erwartet – ganz zu Recht. Im Gegensatz zu ihnen verrät Andi aber mit keiner verzogenen Miene seine Scherzintention: Als uns heute im Speisezelt eine Zeltbahn die Sicht aufeinander raubte, nahm er meine Hand: „Hoit des amoi gschwind!“ Erst ein, zwei Stunden später erkannte ich, dass er mich zum Besten gehalten hatte, und ließ beschämt die Zeltstange los. Und dennoch: Das ist gelebte Menschlichkeit, die schließlich in Martinas Angebot, mir ihre Zahnbürste zu leihen, kulminiert. Wenn das Professor Hübelt erführe!


In Simikot zündet man statt der Straßenlampen einfach den Himmel an.
Foto: MNK

Donnerstag, Juni 02, 2005

24. September: Simikot - Dakhlapuri

Tag der Highligen Veronika:

In der Nacht träumte ich vom mit mir das Zimmer teilenden Max, er wäre mein Turnlehrer und als solcher derart unzufrieden mit meinen Leistungen, dass ich meinen Eltern eine Nachricht zu überbringen hatte, in der er ihnen mitteilt, dass ich faul, feist und für den Laufsport völlig ungeeignet wäre. Das fängt ja gut an!
Nach dem Frühstück hört man Motorenlärm – und nach quälenden 30 Minuten kommt als allerletzter mein patscherter Packsack auf dem Rücken eines armen Trägers daher. Und dann kann’s endlich losgehen.


Aufbruch von Simikot nach dem Gepäckskrimi. Foto: MNK


Foto: Gabi

Die für heute geplante Tagestour sollte eigentlich bis Kermi (ca. 8 Stunden) führen, was aber dadurch verhindert wurde, dass unser Gepäcktross gleich auf dem ersten Pass wegen eines angeblichen Schusswechsels (tatsächlich war es ein Schusstraining der Armee) mit den Maos festgehalten wurde und erst sehr spät nachkommen konnte, wir hätten also Kermi bei Tageslicht nicht mehr erreicht. Irgendwas muss es scheinbar immer geben, sonst wär’ uns ja fad, und außerdem könnte sich Gowa, unser Alles-Checker, sonst nicht so charmant für etwas entschuldigen, wofür er gar nichts kann.


Schaut gemütlicher aus als es ist. Foto: MNK


Foto: MNK


Gaaanz viel Landschaft. Foto: MNK

Wie schön, dass wir heute, am Tag der Kräuterhighligen von Bingen, die ersten Hanfstauden sichten konnten! In der Tat wachsen diese hier wie Unkraut – das hätte Hillinger gut gefallen. Tsering, der heute unser Guide war, führte uns Unwissende auch in dieser Angelegenheit: Frisches Kraut (nur die weiblichen Pflanzen taugen was) gehört gewutzelt, aus den kleinen braunen Wutzeln in der Hand wird dann Hasch gemacht – „But I know nothing about it!“. Sehr schön auch die Reaktionen auf das Zeug: Lukas wird durch das Wutzeln high und Florian allergisch und rotäugig (eine Kifferkarriere ist damit wohl nicht ins – hahaaa – Auge zu fassen).


Überall lauern die Drogendealer! Foto: MNK

An unserem heutigen Lagerplatz in Dakhlapuri(?) hat man laut Max das Königreich verlassen und die maoistische Hochburg betreten; in der Tat tauchen nach den üblichen schokoladefordernden Gschrappen auch schon die ersten revolutionären Schnorrer auf, allerdings noch nicht die Geldeintreiber, sondern diejenigen, die hoffen, dass wir eventuell eine Goretexjoppe zu viel hätten, Keksiforderungen eine Ebene höher also. Dafür tun sie so, als ob sie beim Zeltaufstellen helfen würden und helfen dann hauptsächlich beim Suppenessen.
Wir befinden uns heute auf etwa 2735m, ziemlich genau auf der Grenze zwischen indo-arischen (bei „arisch“ sträubt sich der Tippfinger!) und tibetischen Völkern. Man kann nicht direkt sagen, dass die Leute hier Buddhisten sind, animistisch-schamanische Kulte überwiegen. Gerne hätten wir so einen Schamanen besucht, aber leider war keiner zu Hause.


Dakhlapuri. Foto: MNK

Draußen ist es jetzt sternenklar, der Mond ist am Zunehmen und leuchtet alles aufs Kitschigste aus. Dafür ist es recht frisch, laut Max haben wir aber trotzdem heute noch die wärmste Nacht vor uns. Darum sitzen wir auch im Partyzelt und führen Schmäh; glücklicherweise haben die Gahli Brothers „Hundstage“ gesehen und können einige der beliebtesten Supermärkte aufzählen. Am Ende möchte ich dann zu allen sagen, dass ich mit keiner anderen Gruppe in den letzten zwei Jahren so viele Gefühle gehabt habe wie mit dieser – aa wauns de foischn woarn.

Mittwoch, Juni 01, 2005

25. September: Dakhlapuri - Kermi

Weil Susanne heute Geburtstag hat, gratulieren wir artig mit Abbusseln und dünnem, aber wohlmeinendem Gesang. Dabei werden wir von unseren nepalesischen Begleitern mit ethnologischem Interesse beäugt.
Auch heute ist – ja, man soll es sagen dürfen! – das Wetter traumhaft, meine Wadln erglühen vor Freude. Die Strecke führt nun stetig, aber sanft bergauf, angeblich vorbei an Marijuanafeldern, aber gesehen hab ich nichts davon, ich würd’s ja auch nicht erkennen. Je näher man einem Dorf kommt, desto mehr abgerupfte Stauden sind zu sehen; unsere Tragtierbetreuer frühstücken übrigens jeden Morgen Rauchwaren.
Der Weg durch die Region Humla ist eine der letzten Karawanenrouten, die immer noch in Betrieb sind. Schon in aller Früh werden Hundertschaften an Schafen und Ziegen in Richtung Tiefland getrieben, die meisten tragen kleine Salzsackerl um den Leib geschnürt. Manchmal steckt da aber statt Salz ein kleines Goaßerl oder Lamperl drin, das noch nicht marschieren kann. Das schwere Gepäck wird von Zoks getragen, einer Mischung aus Rind und Yak, die sich scheins mit den Hirtenhunden nicht gut vertragen, denn wenn grade der Hirte nicht hinschaut, schleudern sie diese mittels ihrer Hörner in die Stauden.


Humla Trucks. Foto: MNK


Foto: MNK


Foto: MNK


Verkehrsüberlastung auf der A1. Foto: MNK


Foto: MNK


Foto: MNK

Wir teilen uns den Weg nach Kermi, unserer Jausenstation, mit einem Schippel buntgewandeter, stets fleißig ratschender und kudernder Damen, die zuerst gschaftig losrennen und unsere Marschleistung in den Schatten stellen. Ist aber ein solcher in Sicht, rasten sie wieder. Zusammen mit den uns ständig entgegenströmenden Salztieren („Humla-Trucks“) ergibt das zuweilen ein ordentliches Verkehrschaos. In Kermi kommen die Damen ürigens in den zweifelhaften Genuss einer Mao-Schulung, ich habe aber den Eindruck, dass sie nicht ganz bei der Sache sind und lieber uns Damen bei der verzweifelten Suche nach einem dezenten Ludlplatz zuschauen.


Foto: MNK

Ab Kermi wird die Gegend waldiger, und nach etwa einer Stunde taucht der Saipal auf (7050m) – angeblich, denn welcher genau das ist, wird auf der ganzen Reise nie ganz klar werden. Der Wald ist bezaubernd, von Zeit zu Zeit erblickt man darin ein Rotkäppchen namens Karl, das von Fels zu Fels hüpft, um Dias zu machen. Eine Viertelstunde vor Erreichen des heutigen Etappenzieles bleibe ich mit Gabi, Christa und Gowa auf einem Pass in der Sonne sitzen und verspeise Danis handverlesene Apfelspeitl. Was kann man zu solchen Momenten noch sagen?
Gowa erzählte mir, dass er vor kurzem mit Österreichern unterwegs war, einer davon habe gesagt, er sei etwas Wichtiges. Ich fing an, ihm zu erklären, dass Österreich ca. 8 Millionen seeehr wichtiger Menschen beherberge, doch dann musste ich zugeben, den angeblich so wichtigen Österreicher tatsächlich zu kennen, es war der Wiener Verkehrsstadtrat (sollten Sie das hier lesen: Schönen Gruß von Gowa!).


Foto: MNK


Foto: MNK

Gowa hat mir vorgeschlagen, nach dem Essen gschwind auf den über dem Lagerplatz thronenden Berg hinaufzusteigen; ich bin noch am Überlegen... vielleicht sollte ich doch, denn vor 10 Minuten haben mich die unsäglichen G.-Brothers („Papa, jetzt wiss´n ma, warum ma ned mid de Meindl-Menscha spün ham derfn! De san wirklich a weng komisch!“) mit dem Ansinnen, in mein Zelt zu brunzeln, molestiert. Erst lautes Bellen und schrille Hilfeschreie konnten sie dazu bewegen, vom Urinieren abzulassen. Allerdings wollen sie wiederkommen, denn in ihrem Zelt pferdelt es angeblich. Was Wunder, wenn wir auf einer Tragtiertoilette zelten. Ansonsten haben wir es sehr malerisch hier mitten im Wald neben dem Fluss. Wenn nur die PenBiskuitHalloHalloHalloSchnorrer einmal ausblieben! Kaum öffnet man irgendeinen Reißverschluss, sei es am Zelt, sei es am Rucksack, stürmen sie erwartungsfroh herbei. Das ist eine komplizierte Situation, weil mir natürlich bewusst ist, dass die Kinder hier wirklich nicht wahnsinnig viel zu essen haben, und es mir nicht leicht fällt, vor ihren Augen Unmengen an gutem Essen zu verschlingen. Aber andererseits ist das ubiquitäre „hallohallopen“ scheinbar wirklich die einzige Form, wie sie uns gstopften Westlern begegnen können/wollen. Gestern sahen wir auf dem Dach eines Hauses einen Kleinen stehen, der aus etwa 20m Entfernung die Hand aufhielt und uns dann nach Frustration seines Ansinnens den nackichen Hintern entgegenstreckte. Einen Ghertsi hatte der nicht. Also aufmerken: Armut macht lästig! Deswegen bitte sehr viel spenden, damit man die Kinder wieder unumschränkt niedlich finden kann.
Wenn die anderen nicht bald Fleisch zu essen bekommen, werden sie bald überzeugt sein, dies geschähe nur wegen mir, und werden am Ende mich schlachten. Gestern ist übrigens eines unserer Tragpferde zu Tode gestürzt. Lukas nahm dies zum Anlass, in meinem Namen eine Trauerminute einzufordern und eine Diskussion zu der Frage, ob Pferde in den Pferdehimmel kommen, anzuregen. Dem wurde mit dem Vorschlag begegnet, ich könne ja jetzt das Pferderl essen, da es nicht von böser Menschenhand umgekommen sei. Ich fühlte mich in meiner Funktion als Edith Klinger der Gruppe nicht ernst genommen.

Montag, Mai 30, 2005

27. September

Durch die günstige Lage unseres Zeltplatzes haben wir schon am Morgen Sonne – das lob’ ich mir! Das entschädigt für den ersten unschönen Anblick dieses Morgens: Florian und Lukas liegen wie zwei feiste, feuchte Maden hinter ihrem (wenigstens nicht meinem) Zelt. Wegen der Sterne, sagen die zwei falschen Fuffziger, aber ich hoffe insgeheim, dass den Schafen nichts passiert ist...


Am Campingplatz von Caorle. Foto: MNK

Zur Sonne passend gibt es Milchreis zum Frühstück, ich esse für drei; natürlich um mich für die kommenden Anstrengungen zu rüsten. Überhaupt scheine ich die einzige zu sein, die sich Maxens Anweisung „Tuat´s Depot-Essen!“ zu Herzen genommen hat, während sich zum Beispiel Josef jeden Tag ein neues Loch im Gürtel bohren muss. Heute musste erstmals ein Schaf für uns sein Leben opfern. Viele Gruppenmitglieder waren betroffen, als sie den Kampf des seinen Tod wohl vorausahnenden Tieres mitansehen mussten! Dennoch waren nach dem kollektiven Verzehr des Kadavers alle so begeistert, dass angedacht wurde, Mingma eine Aufenthaltsgenehmigung zu besorgen. Ich alleine war mir sicher, dass am heutigen Tag die Engerl im Himmel sehr geweint haben.


Foto: MNK


Foto: MNK


Foto: MNK


Foto: MNK


Vorne Mingma, Spitzenkoch im Expeditioskader; links Pasang, Chefentertainer. Foto: MNK

Nachdem wir heute auf etwa 3700m zelten, legen wir morgen einen Akklimatisationsrasttag ein. Bis jetzt spüre ich die Höhe noch kaum, ich penne jede Nacht mit kurzen Unterbrechungen von 21 bis 6 Uhr, habe kein Kopfweh und fürchte mich wie oben erwähnt vor meinem Appetit. Das liegt sicher am langsamen Aufstieg. Ich genieße das sehr, weil man immer schauen, fotografieren und ratschen kann. Wenn die Nepalesen bloß nicht immer Sachen sagen würden, die nicht im schlauen Kauderwelschbuch stehen, und versuchen würden, mir an einem Tag ca. 5000 neue Vokabel beizubringen! Ich lasse ihnen dann als Revanche immer ganz ausgefuchste Dialektwendungen mit möglichst vielen „ö“ und „ch“ sagen.
Der heutige Lagerplatz ist sicher der schönste bisher, wir liegen auf einer almähnlichen Wiese in einiger Entfernung zum nächsten Ort (weswegen heute auch erstmals die lieben Kinderlein ausbleiben). Die Landschaft ist schon ein wenig karger, man glaubt zu ahnen, wie es auf der anderen Seite aussehen wird.


Foto: MNK

Jeden Abend kann ich hier meines Amtes als Abt Wickerl walten und die Botschaft der „Hundstage“ unter das Volk bringen, wobei mich meine Adepten Florian und Lukas vorbildlich unterstützen – der Lucky-Opa wäre stolz auf mich (während an dieser Stelle meine Schwestern, die viel unter meiner Hundstagsphilie zu leiden haben, froh sein werden, nicht mitgefahren zu sein). Bald werden auch alle anderen Teilnehmer und Innen die zehn erotischsten TV-Moderatorinnen kennen. Josef wiederum kennt den Hader noch auswendiger als ich – es herrscht also gar eitel Wonne auf dem Unterhaltungssektor.

Sonntag, Mai 29, 2005

28. September: Rasttag und andere Freuden

So ein Rasttag kann schon was. Es liegt eine sehr harmonische Stimmung über dem ganzen Geschehen; jeder kramurlt ein wenig herum, wäscht sich und seine Sachen in einem der kleinen Bäche der Umgebung (hoffentlich kippen die jetzt nicht!), plauscht, liest, schreibt oder marschiert. Leider war auch Gelegenheit zum Gstießenjagen – innerhalb zweier Stunden war mein Erbteil verspielt. Die großmütigen Gewinner bestehen jedoch nicht auf der Auszahlung (ob mein bitterliches Greinen dies bewirkte?) und lassen sich mit einer Hopfenkaltschale in Purang abspeisen (jetzt, viele Monate danach, muss ich feststellen, dass diese Spielschuld immer noch offen ist!).
Nachdem mich Florian bereits am Vormittag gefragt hat, ob ich leicht jetzt auch endlich mein Haar gewaschen hätte, sehe ich es ein und gehe wirklich. Der frischgewaschene Flausch brachte das Lästermaul vorerst zum Verstummen, zumal ich ihn zuerst vorm eigenen Zelt kehren hieß: Lukas behandelt sein Haar mit Yakbutter! Und letzte Nacht hätte er ihn mir überhaupt ob dessen olfaktorischer Fuß-Misere bald ins Zelt gelegt. Das war übrigens der erbaulichste Dialog bisher: „Ma, Lukas, des giiiibt´s jo ned wia deine Sockn stinkn!“ „Ma, host recht! Wääääääh!“ Dann fiel noch das Wort „Schlierbacher“, bevor Abhilfe geschaffen wurde.
Am Nachmittag ließ ich mich von den beiden zu einer Tour auf den uns gegenüberliegenden Hügel überreden, schon alleine um Mutter und Vater Gahleitner wenigstens einen kleinen Moment der Ruhe zu gönnen. Oben auf dem Kamm entlohnte die Aussicht für das nicht unbeschwerliche Marschieren – immerhin befindet man sich dort auf über 4000m (erstmals hat Florians Höhenmesser den Dienst aufgesagt – Max hat uns übrigens den schönen Begriff „Zivilisationsmüll“ für solche Gadgets geschenkt), und ich war laufend damit beschäftigt gewesen, den Buam nicht zu erkennen zu geben, dass sie mir jeden Moment auf und davon steigen hätten können. Beim Abstieg führten wir eher unfreiwillig das Experiment durch, ob und wie Yaks auf Rot reagieren, da Florian seinen knallroten Janker trug. Man kann sagen, dass man uns zweifelsohne bemerkt hat, dass jedoch der Angriff ausblieb. Nebeneffekt war eine Steigerung der Leistungsfähigkeit bei der Bewältigung des Aufstiegs zum Lagerplatz.


Foto: MNK


Foto: MNK


Foto: MNK


Foto: MNK


Foto: MNK


Foto: MNK

Der heutige Nachmittagstee, zu dem es normalerweise trockene Ananaskeksi und eine geopolitische Fragestunde gibt (Max drohte uns wiederholt mit einem Test am Ende der Reise, sodass wir alle immer eifrig mitnotierten), artete zu einem veritablen Geburtstagskränzchen aus, das im Nachhinein auch die Existenz der Rotweinflaschen im Reisegepäck erklärte. Champagner, Rotwein und auch eine Linzer Torte wurden hervorgezaubert. Letztere wurde gegen einen Kuchen Mingmas eingetauscht (wie er sowas fernab der Zivilisation zu Stande bringt, bleibt mir trotz Erklärung ein Rätsel), auf dem in Schokoschrift „Happy Birthday Andi und Sushi!“ zu lesen war. Den Namen wird sie sicher nicht mehr los. Im Laufe dieses Kuchenschmauses wurde schließlich eine Verfestigung der Gruppenbande manifest: Thomas hat zusammen mit meinem Onkel Herbert an einem Buch über die Gramastettner Andachtsstätten gearbeitet, während Karl und Andi W. erst heute draufgekommen sind, dass sie einst einen Aktmalkurs zusammen besucht haben. Florian und Lukas haben aufgrund der vielen Tagesfreizeit ein lustiges Spiel ersonnen: die Gesprächszerstörung. Das geht so: Äußert einer der beiden irgendeinen Satz, antwortet der andere mit „Na!“, worauf der erste „Doch!“ erwidert – und so ad nauseam. Leider habe ich mich hinreißen lassen und ihnen – in der irrigen Hoffnung, sie würden mit dieser Information verantwortungsbewusst umgehen – meine Lieblingsgesprächszerstörer verraten. Doch welch ein Fehler! Wenn man zu ihnen jetzt spricht, erntet man entweder ein „Na!“, ein künstliches Gähnen, ein „Wüüst drüwa redn?“ oder ein „Des is des wos duuuuu sogst!“ Ich sehe es ihnen an, dass sie gerne wieder an unseren Gesprächen teilnehmen würden, doch zu stark hat die Gesprächszerstörung von ihnen Besitz ergriffen. Am Abend hat es angefangen zu regnen, weswegen Visionen von nasskalten Schlafsäcken in mir aufzusteigen begannen. Aber besser als jede Fantasie waren jene Schwänke einer früheren Trekkingreise, die Thomas zu berichten hatte: Eingeweicht bis auf die Haut, kalt und – tätäää! – Durchfall! Da hüpft einem das Herz umso freudiger, wenn der Regen wieder aufhört und der Mond so tut, als wär’ nichts gewesen.


Foto: MNK

Samstag, Mai 28, 2005

29. September: Purang (Tibet)


Pemba, der Küchen-Sous-Chef. Foto: MNK

Beim Frühstück stellt Josef fest, dass er nie geglaubt hat, einmal zu Fuß nach China zu kommen – und doch wird ihm dies heute noch widerfahren.
Vom Lagerplatz aus mussten wir heute etwa 650 Höhenmeter bis zum Nara-La schaffen („La“ heißt „Pass“, für meine wissbegierigen jungen Leser!), bevor wir nach Tibet einreisen konnten. Das Erreichen des Passes wurde durch (leider z.T. schon etwas stacheliges) Gipfelschmusen gewürdigt, dem auch unsere Nepalesen zum Opfer fielen. Hoffentlich haben die keinen Schaden fürs Leben erlitten!


Am Nara La. Foto: MNK


Blick vom Nara La nach Tibet. Foto: MNK

Von oben konnte man zum ersten Mal ins gelobte Land schauen: viel Himmel, viele Wolken, viele Steine, viele Berge – überhaupt viel Landschaft also.
Ich kann im Nachhinein kaum sagen, worauf ich lieber verzichtet hätte: auf den Anstieg zum Pass oder auf den anschließenden Abstieg (bitte ca. 1000 Höhenmeter!) auf mächtigen Geröllhalden. Und dabei haben sich meine Knie schon für den gestrigen Abstieg bedankt. Ich halte mich schadlos, indem ich Pasang einrede, „Geh scheißn, Oida!“ wäre eine sehr respektvolle österreichische Anrede für einen jüngeren Freund und deswegen wie geschaffen für Lukas. Da er eben so wissbegierig wie höflich ist, lässt er sich diese Gelegenheit nicht entgehen und wendet die neue Phrase gerne sofort an. Als ihn zu seinem Erstaunen Lukas ein wenig herposcht, ist das Knieweh vergessen.


Foto: MNK


Sogar den Yaks hängt die Zunger heraus. Foto: MNK


Foto: MNK

Der folgende Marsch entlang des Karnali und über eine lange, dramatisch schwingende Hängebrücke war dann sehr schön, nur beim letzten Anstieg von Hilsa (Nepal) nach Sher (Tibet) hunzte es mich schon ein wenig.


Bildmitte: Drei Esel wagen einen Ausbruchsversuch in Richtung Tibet, bleiben aber leider auf der Hängebrücke stecken. Foto: MNK


Eine halbe Stunde später drehen sie wieder um. Vielleicht schaffen sie es das nächste Mal. Foto: MNK

Jenseits der Grenze lauerten andere Zustände bzw. ein strengeres Regiment. Nachdem ein seeeehr wichtiger Desinfekteur unsere Schuhsohlen von all den bösen nepalesischen Bakterien (die europäischen haben wir im Flugzeug gelassen, wir erinnern uns) befreit hatte, wurden wir mit dem mehrmals wiederholten Hinweis darauf, dass das Fotografieren des Militärpostens bei Strafe verboten sei, in eine sehr geschmackvoll eingerichtete Speise-/Wartehalle gelotst, die aussah wie ein altes Chinarestaurant in Oberloisdorf. An der Wand prangte ein unend verkitschtes Potala-Bild, auf dem der Mohn dort erblühte, wo in Wahrheit wahrscheinlich das Rotlichtviertel oder der Verschubbahnhof von den Chinesen hingepflastert worden ist. An den Boden war eine chemieblaue PVC-Wohnlandschaft geschraubt, auf der kurz zuvor eine wohl sehr fetthaltige und spritzige Mahlzeit eingenommen worden war.
Nach einiger Zeit traf der Fuhrpark mit zünftigem Getöse ein; die Yaks haben ausgedient, während sich deren Besitzer zum Geldvertun mit uns nach Purang mitnehmen lassen. Bei der folgenden Jeepfahrt (ich habe im Übrigen mit Gabi, Christa, Josef, Norbu und Pasang eine für die restliche Fahrt bestehen bleibende Fahr- und Schicksalsgemeinschaft gegründet) haben wir wohl schon einen Vorgeschmack auf die lange Fahrt zurück nach Kathmandu bekommen. Mir ist wahrscheinlich deswegen nicht schlecht geworden, weil der Körper einfach unmittelbar mitbekommt, dass mit ihm gefahren wird (ich wage gar nicht einzuschlafen, da mir sicher durch das wilde Schütteln der Kopf abgerissen werden wird, sobald die Körperspannung nachlässt). Dennoch habe ich als Talisman von Martina einen Reisespeibkaugummi bekommen, der mich beschützen soll. Pasang, der mir meinen gar lustigen Streich verziehen hat, hat mir selbstlos angeboten, vom Kofferraum aus meinen arg gebeutelten Kopf zu halten – vielleicht komme ich darauf zurück.
Purang (Taklakot) ist nicht Shangri-La, das wird bald deutlich. Etwaigen Touristenklischees wird sofort die Realität vor den Latz geknallt. Im offiziellen Guesthouse, das den Charme des Bahnhofs Wien-Mitte – ach, was red ich, der ist viel zu wenig erdig-dreckig – verströmt, werden wir von zwei sehr imposanten Militärs registriert/kontrolliert. Während wir darauf warten, einzeln und bitte der Reihenfolge auf der Liste nach vor die Herren zu treten, werden Passfotos angeschaut und ausgelacht. Dabei bittet mich jeder der Nepalesen, doch mein Haar wieder wachsen zu lassen. Nachdem wir für harmlos befunden worden sind, bekommen wir die Räume zugeteilt. Ich darf mit Andi S. und Sushi eine schon alleine vom Raumangebot her recht komfortable WG bilden, während die anderen mindestens zu fünft hausen. Die Zimmer sind einfachst – Dusche: haha!; Bettwäsche: lieber gleich weg damit; Klo: Das ist eine eigene Geschichte. Man muss den Hof überqueren und dann dem Geruch folgen. Weil die Latrinen selbst schon voll... ach was, ich erspar uns das. Jedenfalls war die Beschaffenheit des Hofes eine entsprechende. Ergötzlich aber war die jeweilige Reaktion der armen Menschen, die es zur Erleichterung drängte beziehungsweise die entsprechenden Erlebnisberichte. „He, üwam Klo hoggalt a Chines mid da Zeitung und plogt si. Da Reis stopft oiso do – drum ham´s a so Schlitzaugn...“ Alle später berichtenden Herren konnten bestätigen, dass der so verunglimpfte unter Obstipation Leidende wohl mit der Zeitung fertig werden würde.
Überhaupt war interessant, wer sich bei uns am Hof so aller herumtrieb. Es wurden Vermutungen geäußert, denen zufolge im Verschlag gleich neben dem Eingang ein Knusperhäuschen eingerichtet sei, denn laufend schlupften dort Leute hinein, darunter auch aufgebrezelte Chinesinnen, ohne dass eine/r je wieder herausgekommen wäre. Ich will das aber eh nicht so genau wissen.


Bahnhof Purang-Mitte. Foto: MNK


Ein Motorrad ist für die drei Kilometer asfaltierter Straße in Purang unerlässlich - zumindest wenn man etwas repräsentieren will wie der Besitzer ganz links... Foto: MNK

Max warnt uns eindringlich davor, auf die Hügel hinter dem Guesthouse zu steigen, um Purang oder die Berge zu fotografieren (Karl schwört übrigens, dass einer davon genau ausschaut wie der große Priel – warum fahr ich dann so weit weg?), denn im April dieses Jahres hat man Österreicher bei eben dieser Gelegenheit verhaftet und in einer tagelangen Fahrt in die Provinzhauptstadt Ali verfrachtet. Dort hat man ihnen dann in den Pass geschrieben, dass sie innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht nach Tibet einreisen dürfen. Das wird ihnen noch eher wurscht gewesen sein als die fünf unnötig im Polizeiauto verschissenen Tage...
Obwohl kaum einer nicht der Abreise mit positiven Gefühlen entgegensah, ist doch von angenehmen Dingen zu berichten, vom Fußballspielen im Hof etwa, oder vom Abendessen in einer chinesischen Garküche, bei dem unabsichtlich eine ziemliche Menge Bier konsumiert worden ist und bei dem alle mit Stäbchen essen mussten – dementsprechend schaute dann der Tisch aus, aber das ist hier angeblich eh Usus. Angenehm waren auch meine Zimmergenossen, die mir vor dem Schlafengehen noch ein Schnapserl ans Bett getragen haben... Und doch schlief ich sorgenvoll ein; wo würde ich morgen dem Ruf der Natur folgen können? Und warum, wie irgend jemand so treffend bemerkte, kann es hier nicht einen geben, der uns die Füße desinfiziert?

Freitag, Mai 27, 2005

30. September: Manasarovar-See

Florian und Lukas waren letzte Nacht noch leischen; bevor die beiden (angeheitert oder nicht) das mit vier anderen zu teilende Zimmer betraten, hielten sie sich gegenseitig noch an, die darin schon Schlafenden ja nicht aufzuwecken. Zu diesem Zwecke öffneten sie alle Reißverschlüsse und Schuhbänder noch draußen – mit der Folge, dass Florian Lukas (oder umgekehrt?) dann auf ebendiese trat und ihn dadurch zum Fall auf das Bett von Mutter Gahleitner brachte. Wenn zu diesem Zeitpunkt (die beiden Schwerenöter waren natürlich auch noch in lautes Gelächter ausgebrochen) noch irgendjemand geschlafen haben sollte, so wachte er/sie spätestens unsanftest durch das (absichtliche?) Hinunterwerfen einer Alutrinkfalsche auf den Betonboden (!) auf. Eitel berichteten mir die beiden selbst von ihrem groben Unfug. Welch ein Glück für mich, dass mich höchstens ein mal mehr, mal weniger dezentes Herrenschnarchen um den Schlaf brachte. Den mitten in der Nacht stundenlang bellenden Hund habe ich allerdings trotz aller Tierliebe in Gedanken hundertmal verwurschtet.

* * * * *

Wir sind heute Nachmittag am in der Tat juwelenfarbenen heiligen Manasrovar-See angelangt. Wir campen direkt am Ufer; das Rauschen der Wellen und das leise Schnarchen aus einem der Nachbarzelte ergeben eine äußerst (schlaf-)anregende Klangtapete.


Unsere Jeeps. Foto: MNK


Gebetsfahnen auf dem Weg zum Manasarovarsee. Foto: MNK


Der Weg ist weiter/die Jeeps kommen später als man denkt... Foto: MNK


Foto: MNK


Unser Lager am See. Foto: MNK

Wenn ich den Kopf aus dem Zelt stecke, sehe ich den Kailash, wenn ich zurückschaue, das Gurla-Mandatha-Massiv (7730m). Ich sollte gar nicht erst versuchen, die Landschaft hier groß zu beschreiben, das bleibt wohl hinter allem zurück (wahrscheinlich genauso wie alle Fotos).


Kailash und Manasarovarsee. Foto: MNK


Raksastal (der böse Zwilling des Manasarovar). Foto: MNK


Raksastal. Foto: MNK

So sitze ich am Ufer und schaue mir die Augen aus dem Kopf, bis mich der Wind in das Zelt treibt. Ebendieser kann ganz schön kalt daherwehen, weswegen Lukas’ Heldentat, ein Bad im etwa 10° kalten See zu nehmen, von der motivationalen Seite her schwer nachzuempfinden ist. Aber er war fest entschlossen, heute morgen hat er die Hose vor mir heruntergelassen, um mir seine Hawaii-Badehose zu präsentieren (die dann aber leider nicht zum Einsatz gekommen ist).


Lukas büßt für seine Sünden im See. Foto: MNK

Vor ein paar Minuten ist die Sonne untergegangen, ein Schauspiel, das uns für einige Zeit in Bann gehalten hat.


Stupa am Manasarovarsee. Foto: MNK


Der Sonnenunterngang kann was.
Foto: MNK


Emotional mitgenommen muss ich bemerken, dass ich jetzt aber bitte schon einen Appetit hätte (Mingma nennt mich nur mehr Minki „Bog lagyo 24hrs“). ð Taraaa! Hier werden Wünsche wahr! Kaum schreibe ich dies, ertönt der Essensappell!

* * * * * *

Bevor ich mich der laut Max bisher kältesten Nacht anvertraue, muss ich leider noch berichten, dass die bei uns allen feststellbare besinnliche Stimmung gerade nur so lange anhält, als man See & Kailash sehen kann. Beim Essen rutscht das Niveau leider wieder auf die gewohnt niedere Ebene ab, woran stets und maßgeblich Lukas Schuld trägt, ich muss es in der Klarheit sagen. Ich selbst lache immer nur betreten. Glücklicherweise versucht Thomas dessen Ausfälligkeiten immer durch ein wenig Volkskunde auszugleichen, heute durften wir etwa erfahren, woher das Wort „Flohbeutel“ stammt. Getrübt wurde diese Aufmerksamkeit nur durch das Aufkommen eines handfesten Skandals: Er ist 45 und seine Freundin Martina nur 26! Das ist ja arg und kann auf keinen Fall gut gehen! Bald muss ich meinen Finger auf diese Wunde legen und mit den beiden ein Gespräch führen.
Was gibt es noch zu berichten? Wir haben uns heute im See getauft, Lukas firmiert ab heute unter dem schönen Namen „Katzi“, Florian muss sich etwas widerwillig „Resi“ nennen lassen, und ich werde nunmehr „Fuffi“ geheißen (warum auch immer). Mingma, der stadtbekannte Strizi, hat mir heute einen im Angesicht des heiligen Berges gefundenen Stein geschenkt, den er als „Shiva Linga“ bezeichnete – und tatsächlich schaut das Ding recht phallisch aus. Was soll man da sagen!? Ist das sexual harrassment?


Mingma mit Shiva Linga. Foto: MNK


Shiva Linga. Foto: MNK

Unser LKW-Fahrer ist übrigens ein Khampo, die früher als Räuber bekannt waren und generell als kernige Leute gelten („Oiso Buaschn wie wia!“). Er selbst ist zwar eher nicht kernig und schon gar nicht grimmig, dafür trägt er aber einen mords Dolch im Hosenbund, den er hingebungsvoll putzt. Als ich vorgebe, recht verschüchtert zu sein, freut er sich sehr.

Donnerstag, Mai 26, 2005

1. Oktober: Manasarovar-See - Einstieg zur Khora

Oiso ich muss euch sagen, letzte Nacht hab ich goa ned gut geschlafen. Diese Kälte, ich halt sie einfach nicht aus! Das heißt es wär’ schon gegangen, wenn nicht wieder die drei Flohpelze knurrend herumgelaufen wären – am Morgen pennen die drei Pelzdeppen so friedlich vor uns am Ufer als wäre nichts gewesen.


Hund vor Mandatha
Foto: MNK

Da es auch in der Früh recht frisch ist, wird der menschliche Geist erfinderisch – so schaut das modisch sehr ansprechende Ergebnis dann aus (übrigens mein letztes selbstgemachtes Bild der Reise):


Haute Couture auf höchstem Niveau (ca. 4300m).
Foto: MNK

Wir haben heute den See hinter uns gelassen und sind Richtung Kailash gezogen; das heutige Lager (4600m) liegt schon innerhalb der Khora. Auf dem Weg hierher hat sich vor der Besichtigung der Chyu-Gompa (Vogel-Kloster) die Gelegenheit für ein – huurrraa! – warmes Bad geboten. Am Fuß des Gompa-Hügels sprudeln warme Quellen aus dem Boden, über die man ein Glashaus gestülpt hat. Für 20 Yuan darf man dann, züchtig nach Geschlechtern getrennt, pritscheln was das Zeug hält. Wöööööööd.
Kurz vor Darcheng, dem letzten Ort vor unserem Lager, mussten wir uns wieder bei einem Militärposten registrieren lassen. Dort verspeiste ich vor den Augen immens interessierter Buben und Greise mein Lunch-Ei („In-den-Magen-hinein-Nachschauen“ ist eine sehr milde Beschreibung dafür) – als die Nachricht aufkam, dass man hier, mittens in der Pampa, nach Hause telefonieren kann. Hurtig begab ich mich in die Warteschlange. Man müsste das Kaff gesehen haben, um meine Verwunderung über die extrem gute Verbindung nachempfinden zu können. Zu Anfang war es mir noch, als rühre die Verzögerung bei Alois’ Antworten von den 5000 Kilometer Entfernung, dann aber stellte sich heraus, dass der Gute noch gepennt hatte (ein für Samstag Morgen, 7:30 Uhr Ortszeit, legitimes Unterfangen).

* * * * * * *

Rund um den Kailash hat jeder Meter eine besondere religiöse bzw. historische Bedeutung, wie während des heutigen Nachmittagsspazierganges klar wurde. In der Nähe des Lagerplatzes (eine riesige Ebene, die im Mai während der Hauptpilgerzeit ein einziges Lager sein soll) kann man nicht nur die Meditationshöhle eines Bön-Zauberers und einen der etlichen noch folgenden „footprints“ Milarepas anschauen, sondern auch den Luftbestattungsfriedhof, auf dem begraben zu werden der Wunsch jedes (Tantra-) Buddhisten ist, denn von dort komme man direkt ins Nirvana. Wenn man dort etwas Physisches zurücklässt, so glauben sie, erlange man im nächsten Leben zumindest eine bessere Inkarnation. Der Ort hat für uns Westler etwas Makabres an sich, das Plateau ist mit Haaren, alten Kleidungsstücken, Knochenresten und Hackebeilen bedeckt. Eine Gruppe Tibeter sitzt neben uns und rastet; etwas weiter unten liegen Hunde, die als Hilfe bei der Bestattung gerne mal für die Geier einspringen – auch diese beiden Aktivitäten werden positiv auf dem Inkarnations-Konto verbucht.
Unterhalb des Friedhofs steht ein großer Masten, an den unzählige Gebetsfahnen gebunden sind, die im Wind knattern: durch das Licht der hinter den Bergen verschwindenden Sonne bisher wohl einer der schönsten Momente dieser Reise – wenn nur der Wind nicht so gegangen wäre, den braucht ja niemand (außer den Gebetsfahnen vielleicht)!

Mittwoch, Mai 25, 2005

2. Oktober: "Ruhe"-Tag am Manasarovarsee

Ich komme gerade von einer (für einen Ruhetag ziemlich ausgiebigen) Wanderung zurück, die uns weit in die sich scheinbar gleich hinter dem Lagerplatz erhebenden Schneehügel hätte führen sollen. Ich wollte schon wenige Minuten nach Marschbeginn die Gamaschen anlegen, aber nach einiger Zeit zeigte sich, dass man sich von der klaren Luft hat täuschen lassen, denn auch nach mindestens zwei Stunden hat man noch keinen Fuß in den Schnee gesetzt, und dann wird auch noch die Luft dünn. Als dann auch noch auf dem endlich erreichten Schnee kein Vorankommen ist, wird’s anstrengend. Dennoch habe ich die Momente, in denen ich in absoluter Stille ganz für mich war, sehr genossen; als ich oben auf der Bergschulter angekommen bin, war auch endlich der Kailash wolkenlos. Umso ärgerlicher, dass genau in diesem Moment die Kamera den Geist aufgibt (war wohl ein buddhistisches Fabrikat) und sicher erst wieder in urbanen Gefilden zu reparieren sein wird. Aaaaaarrrgh! Noch dazu ist es nicht meine, und die Cordi haut mich ohne Grund auch schon so! Ich muss ihr in Kathmandu was Glitzerndes kaufen, dann haut sie vielleicht nicht so fest. Beim Abstieg hatte ich ständig See und Kailash im Blick – 1000 Motive! Hoffentlich machen die anderen gscheite Bilder. Wenigstens kann ich mich jetzt aufs Schauen konzentrieren, muss weniger tragen und kann eine Lektion in Sachen Verlust lernen.
Nachdem ich wohl auf fast 5200m Höhe war und nun entsprechend faule Füße habe, zieht sich der Rückmarsch furchtbar, zumal man das Ziel von Anfang an im Blick hat und sich ihm kaum merklich nähert. Zu allem Überdruss wirkt der höchste Punkt meiner Wanderung lächerlich niedrig, flach und gar nicht weit entfernt, ich kann mich mit meiner Leistung also leider nicht vor den anderen produzieren...


Chhiring und ich vorm Manasarovar.
Foto: Andi S.

Schön war’s aber auf jeden Fall; ich sitze nun im warmen, windgeschützten Zelt, ordne (ob der dünnen Luft kläglich pfausend) mein Zeug und warte auf den Nachmittagstee beziehungsweise die Ankunft der Gruppe, die heute bei der Gössul Gompa war. Der See rauscht, der Wind bauscht und alle rund um mich ruhen. Des gfoit ma.

* * * * * * *

Zum heutigen 5 Uhr-Tee hat sich unerwarteter Besuch eingestellt: Ein tibetischer Pilger, der sich in dem nur einige hundert Meter entfernten Kloster einen Sack Yakdung zum Feuermachen besorgt hat, ließ sich auf eine Tasse Tee einladen und ausgiebig bewundern. Neugierig geworden brechen wir zum Gegenbesuch auf. Die Pilgergruppe ist mit Pferden von weit her gereist und hat zum Zweck der Kailashumrundung (Khora) die Einser-Panier, wie Josef so schön festgestellt hat, angelegt; besonders die Frauen klimpern wie Christbäume. Diese Leute entsprechen wohl am ehesten unseren Vorstellungen von „echten“ Tibetern; der Gedanke, dass sie noch nicht das von der chinesischen Regierung vorgesehene Leben führen, ist ein durchaus angenehmer.
Beim Rückweg zum Lager ist Gelegenheit zum Sterngucken; bis zum Aufgang des Mondes kann man sogar die Milchstraße ziemlich deutlich sehen. In der Nacht ist es dank Vollmond so hell, dass man die Stirnlampe nicht wirklich braucht. Der wunderschöne Sternenhimmel entschädigt in der Nacht für die gewaltigen Mühen, die man zur Befreiung aus den Schlafsackschichten auf sich nehmen muss, um dem aufgrund der Höhe leider häufigen Harndrang nachzugeben, und für die Furcht vor den streunenden Hunden, die sich bei Dunkelheit gerne brummend zwischen den Zelten herumtreiben. Als ich zuvor nach dem Abendessen von Coalas Geburtstagseinlage als Sepp Forcher berichtete, huben wie aufs Stichwort im Küchenzelt die Nepalesen an zu singen. Das war so malerisch, dass mir die Idee kam, das „Klingende Österreich“ einmal hierher zu empfehlen – das wär’ doch was für den 25. Dezember! Wäui do im Himalaya, do gibt´s aa a scheene Musi!

Dienstag, Mai 24, 2005

3. Oktober: Khora, erster Tag

Ich sitze gerade im Zelt, das uns heute auf fast schon 5000m aufgestellt wurde, und trage aus gegebenem Anlass erstmals seit ich die Kontrolle über meine Kleidung übernommen habe eine lange Unterflak, die mir Gabi – Lob sei ihr und Dank – hier herauf mitgenommen hat. Unschwer ist zu erkennen, dass wir es heute recht frisch haben, und dass ich bei ein paar Graden plus mehr Spaß an der Sache hätte. Andererseits erhalten auf diese Weise diejenigen Momente des Tages, an denen es nicht kalt ist, etwa die Abendsuppenvertilgung oder die Pausen in den Teezelten, einen schönen Mehrwert. Diese Zelte wirken von außen ziemlich unscheinbar und wenig einladend, entfalten im Inneren aber eine erstaunliche Gemütlichkeit.
Da heute Sonntag ist, mussten wir zuerst ins Kloster (mir ist der Name entfallen, ich erbitte LeserInnenreaktionen!), durften aber anschließend gleich zum Frühschoppen ins Teehaus. Passt. Der folgende Anstieg war nicht besonders anstrengend, dafür war’s aber wie bereits erwähnt recht frisch.
Ich müsste jetzt raten, aus welchem Gestein der Kailash besteht (Granit?), die Felsen an seinem Fuß, an denen wir heute vorbei kamen, waren jedenfalls eine optisch ausnehmend ansprechende Konglomeratformation; so eine schöne Wand würde ich mir mit Bohrhaken versehen 4000m weiter unten und 5000 Kilometer weiter westlich wünschen... Ob es diese profanen Gedanken im Angesicht des heiligen Berges waren, die verhinderten, dass ebendieses Angesicht zu sehen war? Alle zwei Minuten warfen wir hoffnungsvolle Blicke hinauf zum Berg, aber keinen einzigen Augenblick zeigte sich der Gipfel – und das im Wissen, dass an den folgenden Tagen der Kailash sowieso kaum zu sehen sein wird! Ich selbst hätte zwar eh nicht viel fotografieren können (wir erinnern uns schmerzvoll), aber ein Dutzend anderer sehr wohl. Der hartnäckigste darunter war wohl Karl, den selbst ein schiacher Wind kaum von seiner Lauer abbringen konnte. Wir anderen knotzten währenddessen im Teahouse, wo wir von einer Gruppe frenetisch kartenspielender Tibeter auf wohltuende Art und Weise ignoriert wurden.


As good as it gets: Mehr zeigt uns der kailash nicht.
Foto: Gabi

Am Abend machten wir Bekanntschaft mit – ich gebe ihren Namen phonetisch wieder – Krysanschodo, einer unserer YakmanagerInnen. Sie ist alleine durch ihre Größe eine auffallende Erscheinung, freundlich und interessiert (besonders Gabi hat es ihr angetan) – leider funktioniert unsere Unterhaltung nur nonverbal, d.h. sie stößt recht bald an ihre Grenzen.
Da wir nur das Nötigste auf der Khora dabei haben, nehmen wir das Abendessen heute im Schneidersitz ein, was die ganze Sache verkürzt. Zu Beginn der Reise ist es mir noch sehr feudal vorgekommen, dass wir überall unsere Sesserl mitgeschleppt bekommen haben, aber hier zeigt sich schon allein am saftigen Knacken dutzender Knie die Sinnhaftigkeit dieses Accessoires.

Montag, Mai 23, 2005

4. Oktober: Khora, zweiter Tag: Am Dölma La

Heute war der lang erwartete „Gipfel“-Tag (den Gipfel des Kailash darf man ja nicht entweihen), mit dem Dölma-La als höchstem Punkt der Reise (5650m bitte! – dennoch müssen Höhenangaben hier mit Vorsicht genossen werden, denn es herrscht diesbezüglich eine postmoderne Interpretationsfreiheit). Auf dem Weg dorthin kommt man wieder an einem Friedhof vorbei, der ebenfalls (wegen der verbesserten Inkarnationschancen – wir erinnern uns) übersät ist mit Kleidungsstücken. Die Khora sind ja nicht bloß ca. 52 Kilometer öde Hatscherei, vielmehr ist sie gespickt mit spirituellen Aktionsfeldern, um es so auszudrücken. Einmal muss man sich auf den steinernen Reitsattel Milarepas setzen („Happiness of Horse 1“), dann unter Steinen durchkriechen, um zu sehen, wieviele Sünden man mit sich herumträgt, ein andermal kann ein Elterngutbehandel-Fingerloch-Treff-Test absolviert oder auf Milarepas steinernem Pferd geritten werden (“Happiness of Horse 2“). Da wir unterbrochen durch diese spirituellen Aktivitäten sehr, sehr langsam gingen, war der Anstieg keine arge Sache – und wenn, dann hätten dies die schönen Momente oben auf dem Pass mehr als wettgemacht. Wir sind uns alle in den Armen gelegen, hier und da wurde jemand von der Freude übermannt oder – emanzipatorisch ausgedrückt – überfraut und bekam feuchte Augen.


Ein Gartenzwerg am Dölma La.
Foto: Andi S.


SoSoSoSo! Seltsame Kreaturen blicken auf dich.
Fotos: Max S.

Es fällt schwer, die Stimmung zu beschreiben; interessanterweise geht das bei den anstrengenden Passagen immer leichter.
So zum Beispiel beim Abstieg. Schon oben am Pass hatte es zu schneien begonnen, später fiel der Schnee dichter und dank des Windes direkt ins Gesicht. Um den Kopfschmerzen zu entgehen, stiegen wir schnell ab, was mir ziemlich auf den Magen schlug. Was für ein Gegensatz zur Euphorie vor ein, zwei Stunden! In einem winzigen, nur durch eine dünne Plane vor dem Schnee geschützten Steingeviert drängten wir uns zusammen und begannen nach einer Zeit recht kläglich zu frieren, sodass wir schließlich ganz froh waren, wieder aufbrechen zu können, auch wenn es draußen immer noch ziemlich dicht schneite. Als mir endlich wieder ein wenig warm wurde, tauchte das Lager auf (ich weiß nicht, wie Tsering die verschneiten Zelte gefunden hat) – in diesem Moment riss die Wolkendecke auf und gab den Blick auf die verschneiten Berge ringsherum frei. Eine Traumaussicht. Leider klebte der Schnee nicht, also mussten wir aufs Schneemannbauen verzichten, dafür ging sich eine kleine Schneeballschlacht aus, die ich provozierte, indem ich Chhiring mitteilte, meines Erachtens würfe er wie ein Mädchen.
Gerade habe ich entdecken müssen, dass mir eine Trinkflasche, die ich als Wärmflasche zweckentfremdet habe, im Schlafsack ausgeronnen ist. Momentan ist mir vor lauter Fluchen und Aufwischen noch warm, aber für heute hat uns Max die endgültig kälteste Nacht angekündigt – die vierte kälteste mittlerweile, aber heute glaube ich, dass er Recht behalten wird. Wie war das noch mal mit Rhinpoche Milarepa? Laut Sage konnte der so intensiv meditieren, dass er selbst im tibetischen Winter nicht fror...

Sonntag, Mai 22, 2005

5. Oktober: Khora, dritter Tag

So grausig kalt die Nacht, so klar und wunderschön der Morgen. Alle schwärmen aus, um möglichst bald das Gesicht in die Sonne halten zu können und um die Zehen in den steifgefrorenen Schuhen wieder in Funktion zu bringen. Vorerst liegt noch überall Schnee, aber die Sonne wird ihm schon noch einheizen. Am heutigen Tag werden wir die Umrundung beenden und damit hoffentlich von allen Sünden befreit sein – laut Lukas auch von den kommenden (hätte er gern).


Die Teilnehmer an der Hansi-Hinterseer-Fanwanderung.
Foto: Max S.

Heute müssen wir nur mehr bergab ins Tal, da kann man auf dem Weg gut rasten und endlich einmal Buttertee probieren. Jeder, der schon einmal mit mir gespeist hat, wird erkannt haben, dass mein Appetit alles überwindet – aber bei Tsampa und Buttertee kann sogar ich „nein“ zum Nachschlag sagen, ebenso wie mittlerweile bei den jeden Tag zum Tee servierten und oft in perfider Weise in die Pancakes eingebackenen Ananaskekse (mittlerweile auch „Pine-in-the-ass-apple“-Keksi genannt).
Der Weg zurück war wirklich sehr, sehr schön, was zu einem Gutteil auch an der wohltätig glosenden Sonne lag. Wann wird’s wohl daheim das nächste Mal so warm sein? Das frage ich mich, meine Damen und Herren. Aber obwohl ich extra langsam dahinschlenderte, war der Weg irgendwann doch zu Ende. An diesem Ende warteten bärtige bzw. zerrupfte Gestalten, die mich freudestrahlend herzten und anschließend mittels Jeep wieder ans Ufer des Manasrovar-Sees verfrachteten – diesmal aber an das Nordost-Ende. Wir haben ja bis jetzt ein paar schöne Flecken mit unseren Zelten belagert, aber dieser sticht noch einmal heraus: Rechts grüßt der Kailash, links die Gurla Mandatha, in der Mitte geht postkartengerecht die Sonne unter. Hurra! Vor ein paar Stunden bin ich mit den Gahli Bros. und einigen Dosen Bier zum Ufer gewandert. Dort sind wir lange gesessen und haben allerlei Albernheiten besprochen; wahrscheinlich braucht man das als Ausgleich zur erdrückend schönen Kulisse. Beim Abendessen erzählt Lukas dann allen, ich hätte willentlich einen Ziegenbock zu mir „attrahiert“ um ihn zu molestieren – daraus wurde hoffentlich allen seine niedere Gesinnung ersichtlich. Oder sammelt er gar wieder Sünden, um eine Wiederholung der Khora notwendig zu machen?
Die Gegend wird mir auf jeden Fall fehlen – trotz der untrennbar dazugehörenden Kälte. Indische Pilger brauchen übrigens nicht im Zelt schlafen, weil es ihnen zu kalt ist – aber dass ich mit zwei Wärmflaschen (übrigens: hören Resi & Katzi auf „zwei Wärmflaschen“...) im münkelnden Schlafsack hausen muss, das interessiert niemanden. Außer Dich, liebes Tagebuch.

Samstag, Mai 21, 2005

6. Oktober: Manasarovar-See - Erster Tag der Rückreise

Den ersten Fahrtag haben wir hinter uns; 9 Stunden Fahrt auf holpriger Piste sind zwar nicht ohne, es gibt aber Schlimmeres (alle kältesten Nächte zum Beispiel, aber ich hör schon auf!). Wir haben dabei den Manasrovar-See endgültig hinter uns gelassen, was leichter gefallen wäre, hätten sich auch heute Kailash und Gurla Mandatha nicht so prächtig im Licht der aufgehenden Sonne präsentiert. Etwa 100 Bilder wurden bei dieser Gelegenheit verknallt – kein Wunder, dass Florian schnorren muss! „HellohellohelloSlidefilmPlease!“ Ich sage das auf keinen Fall deswegen, weil man besser mich fotografiert hätte, denn mein Haar ist nach tagelangem fast ununterbrochenem Haubentragen gar unschön anzusehen.
Am Morgen war es noch so frisch, dass ich zum Aufwärmen etwas laufen wollte, nach nicht einmal 100 Metern ging ich jedoch ein wie ein täglich gegossener Kaktus. Vielleicht lag das auch an der GTI-Treffen-Atmosphäre, die unsere Fahrer durch halbstündiges Motorenaufjaulenlassen generierten.
Umso gemütlicher war’s dann im Jeep, v.a. auch dank der brennguten Musik, die der Fahrer auftischte. Ebendort begrüßt ein Mann eine Frau fröhlich mit „Hallohallo Gurke!“, sie antwortet mit „Hallohallo Wolke!“. Dazu gab es eine argumentativ reichhaltige Diskussion mit Josef, die sich um die wichtige Frage, ob es hier Windhosen gebe (m.E. ja) bzw. ob der an uns vorüberziehende See größer als der Neusiedlersee sei (s.E. ja), drehte.
Dass so ein Yak imposant ausschaut, eine Menge tragen kann und nicht friert, hat sich schon erwiesen, dass Frau Yak aber ein fein ziegerlndes Joghurt von sich gibt, war ein schönes Novum des heutigen Tages. In einem Teehaus in Samsang wurde diese Köstlichkeit kredenzt. Ebendort konnte ich noch einmal als Edith Klinger des Himalaya einschreiten und einen Hund mit Dackellähmung vor den groben Späßen eines gar bösen Mannes bewahren.
Die Landschaft ist nach wie vor wunderschön; dank der Pannenanfälligkeit der Fahrzeuge haben wir manchmal lange Zeit zur Betrachtung. Aufgrund einer solchen Panne durfte ich mir heute den Sitz mit Gowa teilen, der es aus lauter Schüchternheit vorzog, schlafend dem Fahrer statt mir in den Arm zu fallen. Schade auch, dass ich meinen Platz im Auto für die Zeltaufbauer räumen musste, ich hätte gern noch ein paar Mal „Hallohallo Gurke!“ gehört.
Heute schlafen wir am Ufer eines Arms des Tsangpo/Brahmaputra, ich habe aber der Umgebung noch kaum einen Blick geschenkt, da mich ein fieser Wind ins Zelt geweht hat. Anlässlich einer vollen Blase wird dies aber nun nachgeholt.

* * * * * * *

Die Gegend ist schön, aber eben windig und gaaanz stark frequentiert, gerade ist schon der vierte LKW an diesem Abend vorbei gekommen.
Zum Tee hatten wir heute Gäste: zwei Deutsche, die heute Morgen ihre Fahrräder auf den LKW geschupft haben, um sich den langen Weg nach Lhasa ein wenig abzukürzen. Die zwei sind recht nett, haben aber auch einen kleinen Poscher, denn wer rennt/radelt schon auf Zeit um den Kailash? Bei allem Respekt vor der sportlichen Leistung: Das riecht schon streng nach Quarter-Life-Crisis. Als uns Max aber von den Riesenmengen berichtete, die die beiden im Küchenzelt vertilgt hatten, überlegte ich doch kurz, bei ihnen zu essen...
Heute habe ich endlich Gelegenheit gefunden, mit Thomas und Martina ein ernstes Gespräch wegen ihres doch skandalösen Altersunterschiedes zu führen. Die zwei wirkten überraschend einsichtig. „Wisst ihr, 20! Jahre! Ich meine, 17½, das geht gerade noch, aber 20! Seht das doch ein!“ „Wennst maanst...“ Spät aber doch musste ich feststellen, dass die beiden die einzigen waren, die nicht mitbekommen hatten, dass ich ja eh auch in einer so skandalösen Beziehung lebe. Danke noch einmal an dieser Stelle, dass ihr mir nicht gleich eine geposcht habt!

Freitag, Mai 20, 2005

7. Oktober: - Sagar

Diese Nacht habe ich so fest geschlafen, dass sich die Nachbarn über mein Schnarchen beschwerten – und wer? Meine WG-Kollegen aus Purang! Wer im Zelt schnarcht, soll nicht mit ... äh... nein, das haut nicht hin. Aber Frechheit! Menschlich bin ich enttäuscht. Nach dieser Unbill musste ich auch noch entdecken, dass sich in den letzten Tagen unter meiner Haube eine Hitlerfrisur gebildet hatte, ich musste es also umgehend entfetten. Welch ein Schreck für eine gelernte Gutmenschin!
Die Morgengestaltung zieht sich jetzt jedes Mal ein wenig; wir stehen nun brav um 6 Uhr auf, fahren aber erst um 8 Uhr 45 los – was machen in der Zwischenzeit? Sozialpsychologische Studien über die Lugner City oder die Kleidungspräferenzen von Ethnologie-StudentInnen sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Und wenn es dann endlich losgeht, steht man nach 30 Kilometern wieder in irgendeinem Nest, weil keiner der anderen Jeeps nachgekommen ist. Zwar sind die Fahrer beim Reparieren grenzgenial, die Autos sind jedoch multimorbid bzw. moribund, wenn man mich fragt. Deswegen sind wir heute auch nicht ganz so weit gekommen wie geplant, ich hoffe aber stark, dass ich heute die 14. und letzte Nacht im Schlafsack verbringen muss. Morgen steht jedenfalls die längste Etappe an, i gfreiiiii mi. Es wird auf jeden Fall Zeit, dass wir weiter kommen, denn vieles geht aus dem Leim – nicht nur ich, die ich nicht mehr marschiere und den ganzen Tag auf meinem Hintern ruhe, sondern auch das Zelt.
Gibt’s sonst noch was? Wenig; wir sind heute am Annapurnamassiv (wenn’s wahr ist) vorbei gekommen, haben den Josef 25 Kilometer zur Rückenschonung zu Fuß gehen lassen und im Angesicht der großen Vorsitzenden (Deng Xiaoping schaute übrigens, wie ich auf diesem Plakat bemerken musste, meiner Oma selig immens ähnlich) amerikanisches Bier getrunken.

Donnerstag, Mai 19, 2005

8. Oktober: Sagar - Nyalam

Freitag, 8.10.; Sagar - Nyalam
Der heutige Tag war in der Tat der anstrengendste. Die Fähre bei Saga war durch irgendein Brückenbauungetüm belegt, das erst mit kollektiven „Hossa!“-Motivationsschreien bzw. von Menschenhand hinaufgestemmt werden musste. Erst drüben kam dann irgendjemandem die Idee, das Ganze mit Maschinenkraft zu erledigen. Die Überfahrt war dann sehr erbauend, auch oder gerade weil Florian beim vorgetäuschten Versuch, uns über den Fluss nachzuspringen, beinahe wirklich wassern gegangen wäre.
Anstatt am anderen Ufer auf die anderen Jeeps zu warten, beschloss unser Fahrer, nicht mehr länger von den anderen Jeeps versaugt werden zu wollen (zumal jetzt sogar der Pensionistenhubschrauber repariert ist), und gab Gas. Als besonders intelligent wage ich im Nachhinein dieses Handeln nicht zu erachten, zumal wir schon am ersten der fünf heute zu überwindenden Pässe allein auf weiter Flur dastanden – und wenn ich „weit“ sage, dann meine ich das auch; wir erinnern uns an die exzellente Fernsicht in Tibet. Schließlich überkommt den Fahrer Unruhe und er versucht, sein Vorpreschen zu Fuß wieder gut zu machen. Bald verschwindet er hinter der letzten Kurve; dann tut sich länger nichts; ich muss aus Langeweile und natürlich wegen der zehrenden Höhenluft die Samosas aus allen verfügbaren Lunchpaketen vertilgen. Schließlich kommen alle zusammen daher, es hat mindestens einen Kabelbrand gegeben, der einfach durch Herauszwicken der betroffenen Stellen repariert wurde. Wir nehmen wieder den uns angestammten Platz als Letzte ein. Es geht über ebenso sandige wie steile Pisten. Mitten in der ärgsten Schräglage blieb der Jeep stehen, gerade als ich mich gefragt hatte, was wohl passieren würde, wenn wir hier stehen bleiben. Fluchtartig müssen wir aus dem Auto, dann quält es sich langsam und unter Verlust von Tankinhalt hinauf. Pfffffffffuh. Und das wirklich Arge an der Sache: Niemand hätte was mitbekommen! Wir hätten Stunden unter dem Auto begraben daliegen können! Das werde ich Professor Rainald Hübelt berichten, na warte.
Nichts zu bemäkeln gibt’s dafür auch heute an der Landschaft, besonders nicht über den Salzsee mit der Shisha Pangma (ein – ja! – 8000er) im Hintergrund. Max macht uns mit der Ankündigung, man habe vom letzten und höchsten Pass aus eine noch viel schönere Aussicht, den (in meinem Fall immer noch Samosas kauenden) Mund wässrig.
Nach einer kurzen Bierpause in einer kleinen Kate (in der die Leute wirklich überwintern, kaum vorstellbar) befinden wir uns natürlich wieder an letzter Stelle, als zischend und flatternd der Reifen den Geist aufgibt. Wieder müssen wir alle raus in den Wind. Während ich mich noch frage, wo wohl das Reserverad versteckt sei, pflückt der Fahrer den Reifen von den Felgen und beginnt ihn zu flicken. Das geht zwar verhältnismäßig schnell, wirft uns aber noch weiter zurück (interessant war aus diesem Grund die Aufforderung des Fahrers an Norbu, den anderen geschwind zu Fuß nachzugehen). Irgendwo warten dann zwei Jeeps auf uns. Zurückfahren war nicht so ganz das ihre. Spät aber doch dürfen wir ab jetzt im Konvoi fahren – was sich schon eine halbe Stunde bezahlt macht, als unser Auto endgültig absäuft. Wir werden auf die restlichen Jeeps verteilt. Drei Leute müssen in der anbrechenden Dunkelheit zurück bleiben; Pasang habe ich auch schon einmal fröhlicher gesehen.
Als wir endlich losfahren, ist es schon dumper, die Shisha Pangma können wir uns aufmalen. Und doch, trotz Finsternis, beengten Sitzverhältnissen, kalter Zugluft und stinkendem Radio kommt bald so etwas wie Gemütlichkeit auf – wenn nur das schlechte Gewissen wegen der drei Zurückgebliebenen nicht wäre! Wir fahren eine Weile bergauf, bis wir den letzten Pass (ca. 5200m) erreichen. Von hier an geht’s bergab, und zwar fast bis Kathmandu. Nach einer weiteren Stunde taucht nach einer scharfen Rechtskurve wie eine Fata Morgana Nyalam auf, unser Ziel. Asphalt! Straßenlaternen! Aufkeimende Urbanität! Warum aber der zweite Jeep wieder nicht da ist, das erklär mir mal einer.
Um es nicht weiter spannend zu machen: Alle, alle haben den Weg nach Nyalam gefunden, und ich dazu noch Familienanschluss bei den Gahleitners. Mingma hat uns zum Abschluss ein ziemliches Festessen gezaubert, glücklich essen wir Kuchen und trinken Bier (ja ich weiß, die Kombination ist wieeederlich). Erstmals seit Purang darf ich dann wieder in einem Bett schlafen. Vor lauter Freude über dieses Ereignis überhöre ich alles, sowohl die Mäuse, die in allen Zimmern ziemlich gefuhrwerkt haben müssen, als auch die ubiquitären kläffenden Tölen. Wen kümmert die Fauna, wenn man auf einer MATRATZE bei Plusgraden schlafen kann?

Mittwoch, Mai 18, 2005

9. Oktober: Nyalam - Kathmandu

Bei seeeeehr frühem Tageslicht betrachtet gibt Nyalam doch weniger her als gestern noch geglaubt, sehr schön aber das Schild „Whole Sale Marbef“ am Supermarkt. Man ist schnell wieder draußen und auf dem Weg in Richtung Grenze. Der Grenzübergang Zhangmu/Kodari ist der Haupthandelsweg zwischen Nepal und Tibet beziehungsweise überhaupt der einzige Weg, auf dem man die Grenze mit Auto/LKW überschreiten kann. Man darf sich jetzt aber keine Straße vorstellen, schon gar keine asphaltierte, sondern eine kühn in eine beeindruckende Schlucht hineingehauene Schotterstraße, kaum zweispurig und in der Regenzeit ständig von Murenabgängen bedroht.
Schon kurz nach Nyalam beginnt die Vegetation sich zu verändern; der Übergang von tibetischem Hochland zu subtropischem Bergwald ist unheimlich gach. Seit ein paar Bambusstauden in der Nähe von Purang haben wir eine Woche lang kaum andere Vegetation als höchstens kniehohe Grasbüschel gesehen (Tibet ist ja in der Tat eine Hochwüste samt gelegentlicher Sanddünen), jetzt haut uns das satte Grün des Waldes schier das Aug ein. Zu dieser Reizüberflutung gesellt sich die Wahrnehmung der Steilheit, mit der es von der Straße zum Fluss hinunter geht (wir haben uns, offen gesagt, ziemlich ins Kleiderl gemacht). Die Abfahrt vom Pass auf 5200m bis zum tiefsten Punkt der Strecke auf 700m ist mit mehr als 120 Kilometer (schätzungsweise) die längste durchgehende der Welt, man bekommt hier also ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wie gewaltig sich der Himalaya vom Subkontinent abhebt.
Zhangmu ist ein Ort, der entlang der sich den Berg hinabwindenden Serpentinen gebaut ist. Auf den Straßen wurlt es, alles muss hier durch, von der Sau (die hier übrigens in der Einser-Panier durch die Stadt getrieben wird) bis zum LKW. An der Bottleneck-Stelle staut es sich in drei Spuren über die gesamte Straßenbreite, man fragt sich, wie die von der nepalesischen Seite heraufkommenden Fahrzeuge da durchkommen sollen. Irgendwann wird uns geheißen, zu Fuß zur Grenzabfertigung zu gehen, die für sich betrachtet eine ziemliche Farce bzw. Machtdemonstration ist: Wir werden – wieder ordentlich der Reihenfolge in der Liste folgend – registriert und müssen unser Rucksackerl ins Röntgen legen, während unsere Jeeps einfach durchgewinkt werden (glücklicherweise habe ich meine in Nyalam zum Schnäppchenpreis erworbene Kalashnikow dort gelassen).
Die eigentliche Grenze kommt erst 8 Kilometer weiter unten an der Friendship-Bridge, dazwischen liegt das Niemandsland. Unsere Fahrer dürfen bis knapp vor die Brücke fahren, dann nehmen wir erleichtert Abschied von unserem heute die ganze Fahrt über bedrohlich knatterndem Gefährt. Wie sollen die Fahrer damit wieder bis nach Lhasa bzw. Purang kommen? Vor dem LKW entsteht im Handumdrehen eine große Schlange von unheimlich dünnen nepalesischen Gepäcksträgern, die einen Apfel und ein Ei damit verdienen, dicken Touristen das Zeug nach Kodari hinunterzutragen. Mich überkommt beim Gedanken an mein 20kg-Ungetüm ein unangenehm koloniales Gefühl. Aber selber tragen ist nicht besser, die Leute brauchen das Geld...
Unten in Kodari, auf der nepalesischen Seite, müssen wir ein Visum beantragen. Für die, die kein Foto haben, gibt es eine Lösung, die hart an der Grenze zur Schmierage steht: Einfach 5$ löhnen, dann interessiert keinen mehr, wie der Einreisewillige ausschaut. Bei wem meine fünf Dead Presidents wohl landen? Und wie lange müsste man hier für diesen Preis Gepäck tragen?
Während wir speisen (Gemüsecurry für umgerechnet 50 Cent), kommen schön langsam Bus und Gepäck zusammen, wobei die Betonung auf langsam liegt. Kodari ist vollgestopft mit (meist liebevoll mit gefakten Markenlogos verzierten) LKWs, da muss man durch, ebenso durch das Gackhaufenminenfeld am Straßenrand, denn niemand stellt den stundenlang wartenden Fahrern ein Klo auf.
Die Busfahrt zurück nach Kathmandu wirkt wie ein zu schnell abgespielter Film, man weiß nie, auf welcher Seite man hinausschauen soll, einmal versäumt man links einen Wasserfall, dann rechts eine beeindruckend lange Hängebrücke über den Fluss. Der Kontrast zu Tibet ist einfach enorm, man sieht hier innerhalb einer Stunde mehr Menschen als während der ganzen vergangenen Woche.
Irgendwann wird der zu schnelle Film leider doch etwas fad, immerhin braucht der Bus für die 180 Kilometer nach Kathmandu stolze 4½ Stunden. Wenig hilfreich für das Vorankommen ist ein Patschen - und hier möchte ich dann noch eine Frage in den Raum stellen: Warum sagt der Fahrer zuerst, dass er was essen muss, obwohl wir eigentlich einen Patschen haben – oder umgekehrt? Hat er leicht eine Freundin in Barabise? Macht nicht viel, ich schlendere mit den Gebrüdern Gahleitner (ich hab sie zuerst sehr verstimmt, als ich stattdessen scherzhaft „Gauleiter“ sagte...) durch das Kaff und versuche, den schon sehr virulenten Konsumgelüsten zu widerstehen – was mir angesichts eines „SPLDER MAN“-T-Shirts sehr schwer gemacht wird.
Je näher man Kathmandu kommt, desto dichter besiedelt ist die Gegend. Interessanterweise werden aber die Reisfelder nicht weniger; eigentlich eh praktisch: Reis statt Rasen. Und endlich, nach ca. sieben Militärcheckpoints und oben erwähnten 180 Kilometern stehen wir vor dem Hotel. Leider war ich psychisch schon so am Ende, dass mir, als Lukas unversehens eines seiner Hauberln auf meine Schulter fallen ließ, ein „Tua den Fettloppn do weg!“ entfuhr. Unverzeihlich.
Dann wird groß geduscht. Befriedigt blicke ich auf Dreck und Speck der vergangenen Wochen zurück, bevor er im Abfluss verschwindet. Bis auf die Souvenirjagd habe ich jetzt das Anstrengendste schon hinter mir (bitte!). Und welch ein schönes Gefühl, bestimmte Tätigkeiten wieder im Sitzen verrichten zu können! Dann überkommt mich großer Hunger (eh wie alle zwei Stunden, aber diesmal richtig), vielleicht will mich der Körper glauben machen, dass die drei Kilo Schmutz, die ich ihm heruntergeduscht habe, bereits zur körpereigenen Substanz geworden sind.
Nach dem Essen investiere ich ein kleines Vermögen in einen Heimanruf, im Zuge dessen mich Alois zum Antritt meines so lange vernachlässigten Reinigungsdienstes anhält, da die Wohnung schon so dreckig sei. Siedend heiß überfährt mich das schlechte Gewissen.

10. Oktober: Kathmandu

Der Sonntag stellt glücklicherweise kein schwarzes Loch dar, es gibt wieder Programm! Gut so, ich kann ab 6:30 Uhr ohnehin nicht mehr schlafen, also her mit der Action. Am Durbar Square von Patan stürzen sich die TigerbalsamFlötenTascherltandler freudig auf uns, innert Sekunden haben sie heraus, dass wir Deutsch sprechen, und ködern uns mit „Heute billiger! Nur 10 Schillinge!“ Ich kläre sie auf, dass wir jetzt schon den Euro haben, worauf sie mit „Heute billiger, nur ein Euro!“ reagieren. Hui, da hat der Teuro zugeschlagen! Durch mein schulmeisterliches Verhalten habe ich mir aber leider ihre besondere Aufmerksamkeit zugezogen. Da hilft nur beherztes und intensives In-die-Luft-Schauen; Josefs Strategie, jemandem ein Trumm abzukaufen, um damit zu signalisieren, dass hier der Markt bereits gesättigt ist, zeitigt gegenteilige Effekte.
Das Patan-Museum ist in diesem Kontext eine Zufluchtsstätte erster Klasse. Es wurde als Projekt der österreichischen Entwicklungshilfe renoviert und kann sich sehen lassen. Vor einigen Jahren wurde es mit großem Bahnhof eröffnet, wobei es angeblich aufgrund von kleinlichen Protokollstreitigkeiten zwischen den Entouragen des damaligen nepalesischen Königs und unser aller Benito zu stundenlangen Verzögerungen gekommen sein soll. Da müssen sich zwei Operettenhauptdarsteller gefunden haben. Wie auch immer. Das Schönste am Museum ist die Atmosphäre, obwohl die Ausstellung (Ikonographie hinduistischer und buddhistischer Kunst) an sich schon sehenswert ist. Im Innenhof kann man sehr fein speisen, auch das allseits beliebte Everest-Bier wird gerne serviert. Diese Oase der Ruhe stärkt die Abwehrkräfte gegen die hängende „HelloHelloOneRupee“-Platte, die draußen sofort wieder abgespielt wird, sobald man einen Fuß auf das Pflaster setzt.
Auf dem Weg zurück bietet uns Max erneut die Gelegenheit zu kontrollieren, was mit unserem (na ja, mit meinem eher weniger...) Steuergeld hier gemacht wird. Die Renovierung des Keshamahal-Gartens ist ein aktuelles Ökohimal-Projekt; der Garten ist sehr lauschig, ich hoffe, dass er in Zukunft der nepalesischen Jugend als Hintergrund für den Austausch erster zarter Küsse dient. Vorerst wird er noch so streng bewacht, dass die sich faul vor dem Vormittagsprogramm gedrückt habenden und deswegen nachkommenden Gahli Bros. beinahe von der Wache erschossen worden wären. Aber niemand musste sterben! Außer meine Würde, als mich Lukas beim öffentlichen Labyrinthlauf deklassierte: Aus mir selbst nicht mehr zugänglichen Gründen bin ich in vollem Bewusstsein eine Extrarunde gewatschelt. Alle lachten mich aus! Wollte ich vielleicht den Moment, in dem alle Augen auf mir ruhten, publicitygeil prolongieren? Das wär’ aber gar nicht meine Art.
Und dann gibt es kein Halten mehr, das Turbotschopping in Thamel (quasi die „MaHü“ Kathmandus) kann losgehen. Zwar flasht das überwältigende Tandelwarenangebot in Kombination mit dem Nachmittagsverkehr schon sehr, ich konnte aber eine gute Leistung vorlegen. Hoffentlich ergrünt Coala, die Säulenheilige des „BüliBüliBüli-Tschoppings“, vor Neid, wenn sie diese Zeilen liest. Ich kaufe jedem, der „Austria“ nicht als „Australia“ wiederholt, etwas ab, schreckliche Summen verlassen mein Geldtascherl, bis ich endlich zurück zum Hotel schwarteln muss – eine Abendgeselligkeit mit unseren Nepalesen steht ins Haus.
Die Herren Nepali finden sich geschnäuzt und gekampelt im Hotelgarten ein und betrinken sich umgehend bereits am ersten Bier. Ich tue ihnen dies gern nach, man will ja schließlich barrierefrei miteinander reden können. Dann taucht Tenzin, Chefkoordinator von „Sunnytravels“, auf und heißt uns in einem Bus Platz nehmen. Ein nepalesisches Äquivalent zu einem Tiroler Abend wird uns versprochen. Schon während der Fahrt sind Gowa, Pasang, die beiden Mingmas, Norbu und Ningma angenehm leicht zu unterhalten, auch mein Sitznachbar Katzi ist meines Erachtens nicht mehr ganz nüchtern.
Zuerst sieht es so aus, als wolle man uns lediglich bei Volksmusik mit Bier, Rakshi und Essen abfüllen und auf unseren faulen Hintern sitzen lassen, doch dann geht plötzlich die Lutzi ab als ausgerechnet der schüchternste von allen „Buam“ anfängt, euphorisch zu tanzen. Die anderen lassen sich nicht lange lumpen, und bald schon können die professionellen Tänzer einpacken. Dazwischen werden unter intensivem Applaus wechselseitig Urkunden und Geld verliehen und immer neue Gänge & Biere herbeigetragen.


Drei Nepalesen führen traditionelle Tänze auf... Foto:Christa


Da geht Lutzi ab!Foto: Christa

Bei solchen Abenden ist es wohl wirklich am besten, wenn sie dann enden, wenn’s am schönsten ist, so erspart man sich am nächsten Morgen die Symptome der Höhenkrankheit. Der Abschied von den Nepalesen war jedenfalls sehr berührend – und das obwohl sie uns über zwei Wochen von hint und vorn bedienen mussten.

Dienstag, Mai 17, 2005

11. Oktober: Kathmandu - Wien

Nun sitze ich schwermütig und freudig erregt zugleich im Flieger und versuche vor dem Wegbüseln (ob das in der Gemütslage gelingen wird? Da muss wohl der auf der Reise lieb gewonnene Freund Halcion helfen) die Erlebnisbuchhaltung auf Vordermann zu bringen bzw. einem würdigen Ende zuzuführen. Zuvor habe ich in der Kronen Zeitung geschmökert, die wie erwartet herzhaft-kronig ressentimentgeladen auf die Nobelpreisverleihung an die Jelinek reagiert hat. Zünftig! Was wär’ die eine ohne die andere? Sorgen macht mir nun aber, dass ich „Menschlich betrachtet“ nicht mehr verstehe – statt seniler Skurrilität herrscht hier jetzt totale Sinnkarenz! Ob’s an mir liegt? Ein paar Reihen hinter mir stöhnt ein ohnehin schon drastisch schnarchender Mensch aufs erbärmlichste. Was der wohl träumt? Ob ihm auch „Turning 30 over Night“ so zusetzt? Warum sind nur alle Flugfilme so entsetzlich schlecht? Damit die Leute einschlafen können?
Vom heutigen Tag gibt’s jetzt nicht mehr besonders viel zu berichten, außer man delektiert sich an den Schilderungen meiner Einkaufserlebnisse oder an Berichten über die Bodychecks am Flughafen. Vielleicht könnte ich noch davon erzählen, wie dicke verzogene indische Buben frühstücken: Erstens sehr viel, zweitens müssen sie das Innere des Toasts nicht essen, drittens dürfen sie in aller Öffentlichkeit das Buttermesser abschlecken. Und sicher werden sie viertens nicht von Freunden geplagt, die sich auch etwa zwanzig Jahre nach einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit noch daran delektieren, dass man sich den Kakao gezuckert hat (goi, Berni!). Als ich Josef auf den kleinen Fresssack aufmerksam machen wollte, machte der wiederum mich darauf aufmerksam, dass ich nun ebenfalls schon das dritte Mal um das Frühstücksbüffet kreise. Beschämt schwieg ich und ließ mich von ihm an meinen neuen Platz an der Seite des dicken Kleinen führen.
Und schließlich trug sich ein kleines, schönes Ereignis zu, als ein gschaftiger Tourist in seinem Eifer köpflings an die Glasscheibe tuschte – vor etwa hundert Zuschauern. Ich schreibe das jetzt nur, weil eh alles glimpflich ausgegangen ist. Andererseits... soll das den Schlusspunkt meiner Reisebeschreibungen bilden? Wem fällt ein schöner Schluss ein? Es gibt Gebetsfahnen zu gewinnen!

Mittwoch, März 09, 2005

Menschlich? Schlimme Unterstellungen beim Diavortrag!

Gestern ging ich erwartungsfroh zu einer Slideshow über unsere Reise im Namen der gelebten Menschlichkeit in den Himalaya. Doch welch Unbill musste ich von den anderen Gästen, ja sogar vom Vortragenden selbst erfahren! Letzterer versuchte mich vor versammelter Mannschaft aufs Glatteis zu führen, indem er mir besondere Kenntnisse in Sachen Marijuana unterstellte. Ich konnte gerade noch rechtzeitig "I sog ka Wuat ohne mein Aunwoit!" hervorpressen, woraufhin Dani gefährliche Anwaltsblicke in die sensationsgierigen Gesichter der Anwesenden warf. Das verschaffte mir kurzzeitig Ruhe. Doch bald schon musste ich versteckte Scherze über meine angeblich mangelhafte Körperpflege im Zuge der Pilgerreise hinnehmen. Mir blieb nichts anderes übrig, als empört und deutlich hörbar in Ohnmacht zu fallen! Hätte doch Vroni, die meinetwegen durch die halbe Stadt irrte und irrtümlich fast irgendeiner medizinischen Besprechung im falschen Krankenhaus gelauscht hätte, nie hierher gefunden! Gemeinsam mit Dani versuchte sie, mich durch alberne Kalauer ("Kailashnikoff", [(c) Dani]) und verhaltensoriginelles Verhalten aufzumuntern, aber ich war ich war sehr traurig und wollte mich nur mehr in den Schlaf weinen. Diese Episode meines Lebens muss ich schnell vergessen, liebes Tagebuch.



Dani wird beim Käsetoastessen verhaltensoriginell. Foto: MNK


Vroni und ihre neue Handtasche (?) - lustig, aber wem hilft das schon, wenn man gleichzeitig so arg verunglimpft wird? Foto: MNK

Sonntag, September 26, 2004

26. September: Kermi -

Weil wir jetzt endlich von den Maos ausgenommen werden, habe ich heute schon früher Zeit für die Reisebuchhaltung. Leider ist aber noch nicht viel passiert – außer vielleicht, dass ich um 5 Uhr udaungs Besuch von zwei unserer Nepalesen bekommen habe – ich war richtig erleichtert, dass es nicht die unverschämten Gahli Bros. waren, deren Androhung, vor/in mein Zelt zu machen, wie ein Damoklesschwert über meinen Nächten schwebt. Dazu kommt noch die ewige Sonnenschmierschnorrerei! Kaum mache ich den Rucksack auf, kommen sie daher und plärren „HalloHalloHallo!“.
Noch ärger sind nur die Maos, die ohne einen Genierer 100$ pro Nase einstreichen. Und das ohne Waffe in der Hand! Wenn sie wenigstens ein bisschen Ehrfurcht gebietend gewesen wären. Ich möchte auch gar nicht wissen, wie viele Monatslöhne das hier wären. Aber eines muss man sagen: brilliante Geschäftsidee! Ob ich das im Augarten auch so machen könnte? „Sorry, you need a permit for the Kinderplanschbecken today! Only 100 €, and you can use it for the Volksgarten as well!“
Ein wenig anders läuft das im Kyung ... Dzong-Kloster (liebe Mitreisende! Schreibt mir doch, wie das geheißen hat!), dort wird man zuerst freundlich empfangen, herumgeführt und mit Tee abgefüllt, bevor man liebevoll um „Donations“ gebeten wird, die auch wirklich „from internal“ kommen sollen. Das hat schon eher Stil, zumal man sich den Betrag auch aussuchen kann.



Mani-Walls.
Foto: MNK


Jumbogebetsmühle.
Foto: MNK


Jugend, die sicher nicht auf den Dalai Lama schimpft.
Foto: MNK


Foto: MNK


Foto: MNK


Josef und die Mönche mit Email-Anschluss.
Foto: MNK

Foto: MNK

Ich werde gerade von vier, fünf Kindern bedrängt; ich fliehe, als sie nach meinen Ohren greifen, bevor ich ihnen einmal an die Ohren greife. Die liebe Christa hat eine echte Engelsgeduld, sie versucht ihnen auf Deutsch Benimm beizubringen – und oft folgen die Kleinen wirklich.
Lukas hat eigentlich nur Hauben mitgenommen, alles andere wechselt er derweil noch nicht; überraschenderweise münkelt er aber noch nicht – vielleicht strömt Flo-Ji mit seinen frischgewaschenen Haaren so viel Duft aus, dass minderwertigere Düfte neutralisiert werden.
Wir sind heute wieder dem Fluss gefolgt, vorbei an Mani-Walls (gravierte Votiv-Steine, s. Bild oben) und durch kleine Dörfer. Heute schlafen wir etwa auf 3070m auf einem abgerupften Marijuanafeld, hoffentlich gibt’s da keine Nachwirkungen mehr. Neben mein Zelt hat mindestens ein Zok hingegackt, dafür wird die Stimmung draußen immer wildromantischer: Rings um uns sitzen Leute am Lagerfeuer und neben uns schlafen die Schafe, die man von Zeit zu Zeit mit einem herzhaften „Tscho!“ davon abhalten muss, sich in unsere Zelte zu legen. Der Vollmond scheint, und ab und zu wiehert ein Pferd. Wenn nur die Leute nicht immer mit einem deftigen „Chhhhhhrrrkk“ den Schleim hochziehen und ausspucken würden! Das zerstört doch alles bitte, aus is´s na!
Wir haben jetzt angefangen, nach dem Abendessen zu schnapseln, was zwar für die Akklimatisation uuuurschlecht sein soll, dafür aber der ohnehin immer noch fröhlichen Stimmung zuträglich ist. Ich habe Josef, der nie was trinkt, genötigt, unser schlechtes Verhalten zu übernehmen, hoffentlich hat das keine schlechten Folgen...

Dienstag, September 21, 2004

21. September: Kathmandu

KTM kann was und macht ein Wetter – und um eines gleich vorweg zu nehmen: Alles ist bülibülibüli! Ein Tshoppingparadies für das Studentenfaulpack! So bekam ich etwa ein (leider an sich nicht benötigtes) kanarifarbenes Fleecejackerl um 280 Rupien (das sind in Euro, wenn Sie so wollen, etwa 3,10) nachgeworfen. Und auch den bei meiner Zielgruppe so begehrten Ethnoramsch gibt´s um fast kein Geld. Gratis dazu das malerische, um nicht zu sagen „brennschöne!“ Ambiente. Aber: Gekauft wird erst am letzten Tag (und da nur das, was es daheim nicht umasunst gibt). Bleibt also Sightseeing, und das kann sich – Vorsicht Wortspiel – sehen lassen (hahahahaaaka).


Ficus religiosus am Durbar Square. Foto: MNK

Wenn man die sich als Führer andienenden und/oder Glumpert verscherbelnden Männer freundlich ignoriert, entwickelt der Durbar Square (Touri-Zone Nr.1) schon ein ganz eigenes Flair, nicht nur weil er lebende (!) Göttinnen zu bieten hat. Da sind zum Beispiel die ziemlich illuminiert grinsenden Sadhus (von frechen Zungen mit „Ganzjahresfaschingsprinzen“ tituliert), die freundlich lockend fotografiert werden wollen und dann freundlich lockend aufs Geldtascherl zeigen. Ich verweigere, durch Maxens Warnung gewitzigt, ebenso freundlich.


Ein Sadhu mit Maurerklavier. Foto: MNK

Gratis kann man dafür Kinder fotografieren: Ich schleime mich hier bei den Muttis ein, indem ich ihren Nachwuchs abfotografiere und ihnen – den Segnungen der Digitalfotografie sei Dank – das Büdl dann zeige. Gäbe es hierzulande einen Professor Rainald Hübl, würden sie flugs zu ihm laufen, auf dass er von dieser meiner rührenden Geste der Menschlichkeit berichte.


Foto: MNK

Wie erwartet sind auch hier die Kühe ein pittoreskes Element des Straßenlebens; sie streunen nicht nur herum wie Hunde, sie sehen auch ein bisschen so aus.


Sie weiß um ihre Heiligkeit. Foto: MNK


Noch mal Kuh. Foto: MNK

Punkteabzug gibt´s für die Straßentandler, die eine Tendenz zur Verfolgung aufweisen. Schön beschrieben hat dies Herr Karl A. mit „Lästigs Gfickarat!“ (er hat damit zwar irgendwelche Vögel gemeint, aber ich borg mir das jetzt einmal aus, auch wenn die Gutmenschin in mir sagt „Gfickarat sagt man nicht zu Menschen, schon gar nicht, wenn sie aus der Dritten Welt kommen!“). So! Wir sind heute Abend zum Schmaus ins Ökohimal-Büro eingeladen, hoffentlich ist dort für zünftige Stimmung gesorgt! Wenn nicht, erzähle ich halt den suuuper Witz mit dem Blinden und dem Fischladen, der zieht immer...

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In der Tat war die Bewirtung pipifein, wir durften auch entgegen hiesigen Gepflogenheiten (man kriegt quasi zweimal was, muss aber nachher gleich heim) nach dem Essen noch ein wenig bleiben und Bier gluckern – und glücklicherweise konnte ich den Witz für mich behalten. Gesprächsweise erfuhren wir, dass gerade 1500 Lehrer von den Maos entführt worden sind, auch Ärzte sollen sehr gefragt sein... ich beginne mich auf eine sehr einsame Heimreise vorzubereiten.
In meinem Dusel erschrecke ich heftig, als im Hotelzimmer offensichtlich wer drinnen war, bis ich draufkomme, dass der Zimmerservice hier zweimal kommt, um abends Blumerl auf den Polster zu legen und beim Zurückschlagen der Decke behilflich zu sein – ich bin sehr dankbar, denn da ich schon seit mehreren Tagen nicht mehr klettern war, hat die Übungskarenz ihr Verwüstungswerk schon begonnen.

Montag, September 20, 2004

20. September: Delhi - Kathmandu

Ich bin mir nicht sicher, ob 10 Stunden für Delhi zu viel oder zu wenig waren – oder mehr? Ich weiß es nicht. Abenteuerlich und malerisch war es gewiss, und das für einige von uns von allem Anfang an...
Kurz vor der Landung wird man im Flugzeug auf wahrlich effektive Weise von bösen europäischen Bazillen und Konsorten befreit, indem zwei Stewardessen mit Spraydosen bewaffnet durch die Reihen schreiten und uns eindeseln (dies war des erste von unzähligen Reinigungsritualen, denen wir uns auf dieser Reise unterwarfen). Hat man dann auch als garstiges Mädchen, das sich frecherweise die Haare abgeschnitten und dieses Verbrechen an der eigenen Weiblichkeit nicht im Pass vermerkt hat, oder als offensichtliche Rädelsführerin einer kleinkriminellen Touristenbande (erraten: Inge!) die Passkontrolle hinter sich gebracht, darf man Indien betreten. Gleich vor den Toren das Flughafens wird man selbst noch um 24 Uhr Ortszeit von einer etwas aufdringlichen Schwüle empfangen, die einer/m (ich schreib das jetzt einmal gendergemainstreamt als Zeichen meines gutmenschlichen Willens, dann wird weiter der gynozentrischen Sprachwelt gehuldigt)auch bei völliger Reglosigkeit das Wasser aus den Poren treibt – was dann naturgemäß bei Tage kaum besser werden sollte (sehr angenehm in diesem Zusammenhang waren auch die häufigen Wechsel zwischen ...eißkalt klimatisierter Touri-Welt und indischer Realität). Der Transfer vom Flughafen zum Hotel lässt das vergnügungsabenteuerlustige Touristenherz gleich höher schlagen, zumal der bestellte Bus nicht da ist und wir mit all unserem Glumpert in Taxis umsteigen müssen. Diese sind für den Durchschnittswestler (bzw. auch für überdurchschnittlich robust konzipierte Westlerinnen wie moi) und seinen (bzw. besonders ihren!) vielen Kram vom Platzangebot her etwas sparsam konzipiert, sodass man am besten einen Arm zum Fenster raushängen lässt. Für Knautschzonen bleibt wenig Platz, auch muss der Fahrer beim Gangumrühren in meinen Knieraum ausweichen (war ihm sicher urpeinlich). Und natürlich, natürlich will ich auf der Fahrerseite einsteigen, obwohl ich eigentlich gewusst hätte, dass die Inder beim Fahren andersrum sind! Aber dass der Fahrer dann auf der falschen Straßenseite fährt, kommt mir nicht nur so vor, es ist so – aber eh nur kurz. Ein Taxi voller Gahleitners ist zuerst an unserer Seite, wir deuten dem Fahrer an, dass wir zusammengehören, woraufhin der andere Wagen rechts abbiegt. Wider Erwarten kommen Andi W. und ich als erste an, und zizerlweis auch alle anderen. Alle? Nein! Nur die Fahrgemeinschaft Andexlinger/Aichinger verlegt die Stadtrundfahrt vor und klappert dank der bemerkenswerten Unfähigkeit ihres Fahrers alle (und das sind erstaunlich viele) Ashok-Hotels in Delhi ab. Aber schon um 2:30 Uhr sind wir wieder alle vereint, niemand musste weinen.
Zur Stadt selbst lässt sich nach vollendeter Besichtigung Folgendes sagen: Sie ist bummvoll. Das muss man sich ja einmal intensiv vor Augen halten: Wien (das für unsere Verhältnisse in manchen Gegenden auch recht voll wirkt, auf der Mariahilferstraße am 8. Dezember zum Beispiel oder auch zuweilen in meiner Küche, wenn der Alois auch hinein will) bringt seine 1,8 Millionen Einwohner und Innen auf 400 km2 unter. Delhi ist zwar mehr als dreimal so groß, stopft da aber 14 Millionen Leute rein! Wem das zu abstrakt ist, der möge sich in die Altstadt begeben, dort kann dann nebenbei noch sehr effektiv eine intensive Konfrontationstherapie gegen Platzangst betrieben werden. Zwischen Rotem Fort (natürlich geschlossen) und der Jami Masjid-Moschee (echt schön, bitte anschauen – aber warum darf man davor Peitschen feilbieten? Warum nicht eine Fatwah zu diesem Thema?) wurlt ca. die Bevölkerung Österreichs. Wenn man die Rikscha nur mit einem indischen Reiseführer teilen muss, lässt sich das Ganze ja noch halbwegs komfortabel betrachten, vor allem wenn man weiß, dass man nachher in Tibet eh sehr einsam sein wird. Aber wie die Leute hier ohne Nervenkrebs aneinander vorbei- und miteinander auskommen, das ist schon faszinierend. Ich musste heute sehr oft an lieb Mütterlein denken, die hätte schon sehr viele Zustände bekommen – ganz zu Recht.




Zwei besonders hübsche von 14 Millionen. Foto: MNK


Ein Königreich für einen Elektriker.
Foto: MNK


Jammu Masjid. Foto: MNK

Entgegen den Erwartungshaltungen stehen die Kühe in Delhi nicht wirklich mitten auf der Straße, dafür aber recht oft bei Müllansammlungen. Im Grunde kann man sagen, dass sie sich hier mit den Straßenhunden Lebensraum und Funktion teilen (bitte mit allem Respekt vor ihrer Heiligkeit).


Was ich in Delhi nicht ganz verstehe, ist die Ikonographie – nicht nur die religiöse, sondern vor allem die alltägliche. Was beispielsweise will uns der Mann auf dem Filmplakat insinuieren? Hält er uns für blöd?! Wenn ja: Söm!


Hält er uns für blöd?! Foto: MNK

Zur Nachahmung empfehle ich schließlich noch den Besuch des Siegesturms Qutb Minar, der ist schön anzusehen und dazu auch noch eine der seltenen Sehenswürdigkeiten, die mit „Q“ beginnen. So schaut das aus:


Qutb Minar. Foto: MNK

Das alles geht sich an einem Tag aus, und dazu noch der Flug nach Kathmandu (und dort ein Bier in der Bar)! Aber nachher ist man ein wenig geflasht und reizüberflutet, Interessierte sollten vielleicht ein wenig länger in Delhi bleiben, dann geht sich vielleicht auch eine zünftige Milchvergiftung aus...


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Schließlich muss heute noch der erste Eindruck von Nepal aufgemerkt werden: Auch wenn am Eingangsportal des Flughafens ein Hakenkreuz prangt (alle Gutmenschen reißt es – aber dann erinnert sich der Kulturbeflissene, dass das ja eine Svastika ist!), ist dieser (der Eindruck von Nepal, nicht der Flughafen) ein durch die Bank positiver, weil:
- Es ist nicht mehr so schweineschwül;
- Den Zollbeamten eignet eine solch zauselige Harmlosigkeit, dass man von ihnen gern mit der Kirche ums Kreuz (also mit der Stupa um die Svastika) geschickt wird.
- Der Bus ist da!
- Man bekommt bei Eintritt in denselben vom Bruder vom Tenzin einen Seidenschal (katak heißt das, für die Streberlis unter euch!) um den Hals gehängt und im Hotel einen giftorangenen Begrüßungsdrink in selbigen gekippt.
- Das Hotel ist seeeehr bourgeois und schaut aus wie vom Interio eingeräumt.
- Es ist ganz still (auch wenn dieser Stille etwas Ungutes anhaftet, denn sie rührt vom curfew her, also der Ausgangssperre wegen der Maos).
- Im Garten wartet ein Planschbecken unter Bougainvilleas ("Protzblumen", sagt Coala).
- In der Bar geht die Lutzi ab – zumindest so lange, bis wir sie endlich verlassen.


Spaß in der Bar: Lucki und Susi geben sich am hinigen Klavier weg. Foto: MNK


Pool mit Protzblume. Foto: MNK

Kathmandu[1] (wird ab jetzt ganz lässig mit KTM abgekürzt) ist also des Nachts auf angenehme Weise tothosig (was Lukas auf den Gedanken bringt, Frösche abzuschlecken, um einen rauschähnlichen Zustand herbeizuführen – verwirrte Jugend!), da zahlt man auch gern fürs Bier an der Bar das Dreifache des nepalesischen Mindestlohns...
[1] Über der Frage, welche Silbe denn nun wirklich zu betonen sei, scheiden sich die Geister. Ich habe einige Zeit versucht, das etwas weltbürgerlichere „Kathmándu“ im Freundeskreis zu etablieren, musste aber wieder zur üblichen Version zurückkehren, da ich dem Druck der missbilligenden Frage „Asso. Sogt ma des jetzt so?“ nicht mehr standhielt...

Sonntag, September 19, 2004

19. September: Linz - Delhi

Es ist zwar erst 16 Uhr, aber draußen wird’s schon dumper über dem wilden Zentralasien. Ich sitze übrigens im Flieger – und ebendort wird ein seeehr klamaukiger Bollywoodfilm zum Besten gegeben, in dem ständig unmotiviert Tanzereien die ohnehin kaum vorhandene Handlung (wen’s interessiert: Bräutigam hat Muffensausen vor der Hochzeit) unterbrechen, und der meine interkulturelle Toleranzbereitschaft strapaziert. Und das Schlimmste ist: Ich kann nicht wegschauen! Dafür habe ich sicher nicht gezahlt, man sollte hier mit Einsparungen beginnen.
Fast pünktlich zur vollen Stunde niest hier irgendwer fünfmal äußerst ungezwungen – ich glaube auch ein herzhaftes akustisches Verdauungsbegleitprodukt vernommen zu haben. Schön, wenn Erwartungshaltungen nicht gleich enttäuscht werden.
Den armen Florian habe ich schon nach nur zwei gemeinsam verbrachten Stunden verschreckt. Aber wenn er doch wirklich m-i-t-t-e-n ins Klo hinein gemacht hat! Als ich ihn für dieses Missverhalten tadle, antwortet er auch noch mit Unschuldsmiene „Wohin denn sonst?“ Glücklicherweise hört sich das mit dem Klogehen eh bald auf.
Im Film wird gerade spastisch mit dem Kopf hin und her gewackelt und generell schlimm overgeacted; dann stimmt man wiedereinmal ein Lied an: „Refuse, my tiger!“ Ich mag jetzt bitte landen! Am besten gehe ich zum Kapitän und frage ihn, wie lange es noch dauert und ob es dort eine Leberknödelsuppe gibt.



Lucki macht gleich einen schlappen Eindruck.
Foto: MNK